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hierUm 7.00 Uhr morgens brachen ca. 55 Aktive und Angehörige mit einem Bus der Firma Unholzer zum diesjährigen Aktivenausflug Richtung Bodensee auf. Nach einer längeren Fahrt durch einen regnerischen Vormittag, auf der uns Pater Geßwein, der einige Jahre in der Nähe des Bodensees als Gemeindepfarrer tätig war, nicht nur viele Informationen über unsere Ziele gab, sondern auch einige Lieder mit uns sang, erreichten wir Birnau. Der Ort liegt zwischen Überlingen und Uhldingen an der B31 Richtung Meersburg, wo wir die Basilika, die einen Glanzpunkt an der oberschwäbischen Barockstrasse darstellt, besichtigten.
Bei der sehr kompetenten Führung erfuhren wir u. a., dass die Kirche „zum Heiligtum der lieblichen Mutter“ (lat."Mater amabilis") zu Birnau 1971 von Papst Paul dem VI. zur Basilika erhoben wurde. Sie wurde 1750 erbaut, wobei die Bauzeit 3,5 Jahre betrug, Architekt war Peter Thumb (1681-1766), Bildhauer Josef Anton Feuchtmayer (1696-1770) und der Maler Gottfried Bernhard Goez (1708-1774). Betritt man die Wallfahrtskirche durch das schwungvolle Eingangsportal, schlägt einem eine überwältigende Flut von Verzierungen, Ausschmückungen und Bildern entgegen. Die Basilika Birnau ist ein harmonisches Zusammenspiel von Farbe, Form und Licht. Sehenswert ist der Honigsschlecker am Bernhardsaltar (rechts am Übergang zum Chor). Die Engelsgestalt symbolisiert den "Genuss der honigsüßen Worte" des Heiligen Bernhard. Im Langhausfresko „Maria als Königin“ hat sich der Maler Goetz selbst mit Pinsel und Krücke dargestellt, da er beim Arbeiten vom Gerüst gefallen war. Der Hauptaltar, auf dessen Baldachin Engel spielen, wurde in späterer Zeit verändert. Unter dem Baldachin befindet sich das Gnadenbild der "Lieblichen Mutter von Birnau", ein Werk aus dem 15 Jahrhundert.
Nach der Führung feierten wir unter der Leitung von Pater Roland Geßwein einen gemeinsamen Gottesdienst, der von Frau Nassl an der Orgel begleitet wurde.
Anschließend wurden wir dann von unserem Fahrer Peter zur Weinstube Haltnau gebracht, wo wir hofften, uns in gemütlicher Atmosphäre zusammenzusetzen und Mittagessen zu können. Leider mussten wir feststellen, dass die Räume im Gebäude belegt waren. Wir wurden in ein zugiges Zelt direkt am See komplimentiert, wo uns der Wirt ein günstiges Mittagessen und Getränke (alles zum Selbstabholen) in Aussicht stellte. Es war dann doch ganz annehmbar, Essen und Trinken schmeckte und war reichlich.
Nach dem Essen bestiegen wir bei nun etwas besserem Wetter wieder den Bus und erreichten nach kurzer Fahrt die geschichtsträchtige Stadt Meersburg. Hier hatten wir einige Zeit zur freien Verfügung, die die Teilnehmer unterschiedlich nutzten. Das Wahrzeichen ist die im siebten Jahrhundert erbaute Burg Meersburg, die älteste bewohnte Burg Deutschlands. Vom Schiffslandeplatz in der Unterstadt führen enge Gassen vorbei an historischen Bauten und Sehenswürdigkeiten hinauf in die Oberstadt. Hier ansässig sind auch das Staatsweingut (eine der ältesten Weinbau-Domänen Deutschlands) sowie der Winzerverein Meersburg (eine der ältesten Winzergenossenschaften Badens mit 40 Winzerfamilien) deren Weine weithin berühmt sind (Badischer Wein, von der Sonne verwöhnt).
Zum Abschluss des Tages besichtigten wir Deutschlands größte Barockbasilika (Schwäbisch St. Peter), die hoch oben auf dem Martinsberg, die Stadt Weingarten überragt und zum Benediktinerkloster gehört.
Sie ist kühl und mächtig, ein Monument des Glaubens. Der Beiname kommt nicht von ungefähr, da das barocke Meisterwerk nahezu exakt die Hälfte der Ausmaße von St. Peter in Rom besitzt. Dies und noch viel mehr erfuhren wir von einem 93jährigen Benediktinerpater der uns durch die Kirche führte. In nur neun Jahren (1715 bis 1724) wurde die Kirche unter Abt Sebastian Hyller zur Verehrung und Anbetung der Heilig-Blut-Reliquie, die im Altar unter der Kuppel zu sehen ist, erbaut.
"Der Legende nach hat ein Soldat mit Namen Longinus das mit Erde von Golgatha vermischte Blut bei der Kreuzigung Christi an sich genommen. Er brachte es nach Mantua, wo es auf Umwegen in den Besitz Judithas, der Gräfin von Flandern und Frau Welfs IV gelangte.
Auf ihrem Sterbebett vermacht Juditha die Reliquie der Abtei Weingarten, dem Stammsitz und Grablege der Welfen. Das soll am Tag nach Christi Himmelfahrt im Jahre 1094 gewesen sein."
Wer die Basilika betritt, spürt einen Hauch von Unendlichkeit. Hier haben sich bayerische Künstler ein Denkmal gesetzt: Lichter Stuck harmoniert mit kunstvollen Fresken von Cosmas Damian Asam (1718 - 1720); der Hochaltar, das Chorgestühl von Josef Anton Feuchtmayer und das goldene Chorgitter vereinigen sich in vollendeter Pracht. Nicht vergessen darf man auch die berühmte Orgel von Joseph Gabler, bei deren Bau weder Kosten noch Mühen gescheut wurden. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat. Meisterlich in die Fenster der Westfassade arrangiert, verzaubert sie mit ihren 6666 Pfeifen und der geheimnisvollen „Vox humana“ Betrachter wie Zuhörer gleichermaßen. Tief unten in den Gewölben birgt eine Gruft neun Mitglieder des Welfenhauses, darunter die Klostergründer Welf der IV. und seine Gemahlin Juditha.
Am späten Nachmittag brachen wir dann zur Heimfahrt auf, wobei Pater Geßwein bereits Spekulationen über das Ziel im nächsten Jahr anstellte. Ihn würde es z.B. gern nach Zürich ziehen um auf den Spuren des theologischen Reformators Huldrych Zwingli zu wandeln, der die nicht biblisch begründeten Traditionen der Kirche ablehnte. Ob diese Fahrt aber in einem Tag zu machen ist, muss erst geprüft werden.
Nach einem sehr interessanten aber auch anstrengenden Tag erreichten wir gegen 21.00 Uhr glücklich wieder St. Markus. Unser Dank gilt Pater Geßwein für die Organisation (natürlich unter Mithilfe von Frau Becker), die vielen Informationen und nicht zuletzt für den gemeinsamen Gottesdienst in der Basilika zu Birnau. Schön war auch, dass wir unseren künftigen Pastoralreferenten Martin Holzner-Kindlinger, der auf Einladung von Pater Geßwein an der Fahrt teilnahm, schon etwas "beschnuppern" konnten.
Alfred Lehmann