Pfarrei
St. Georg Ruhpolding


Viele Gläubige kamen zur Kräuterweihe auf die Röthelmoosalm

Röthelmoos 15.08.2017
Besonders gut mit dem Wetter hat es der Herrgott in diesem Jahr für die Röthelmoosmesse zu Mariä Himmelfahrt gemeint. Bei nahezu wolkenlosem Himmel fand eine besonders große Schar von Gläubigen den Weg von Ruhpolding auf die Röthelmoosalm, um am traditionellen Gedenkgottesdienst für die verstorbenen und verunglückten Sennerinnen und Senner, Almbauern und Holzknechte teilzunehmen. Zelebriert wurde der Gottesdienst in diesem Jahr von Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger und für die musikalische Umrahmung sorgte – wie mittlerweile seit 40 Jahren - wieder der Ruhpoldinger Männerchor unter Leitung von Erich Stadler. In seiner Predigt nahm Weihbischof Haßlberger Bezug zur romanischen „Ruhpoldinger Madonna“, die in der Pfarrkirche steht. „Maria zeigt dem Betrachter Jesus. Darum ist dies ein Urbild der Kirche“. Weiter sagte er, dass in der wunderbaren Natur einem die Schöpfung so richtig bewusst wird und die Kräuterbüschel ein wichtiges Zeichen für die Gesundheit von Mensch und Tier seien. Abschließend betonte er: „Der heutige Festtag steht für etwas ganz Wichtiges und das wollen wir gemeinsam feiern“. Seit jeher ist auch Brauch, eben an diesem Tag einen Kräuterstrauß segnen zu lassen. Diese „Marienwisch“ oder „Würzbüschel“ aus den verschiedensten Heilkräutern sollen Menschen und Tier vor Krankheit und Unglück schützen, was offensichtlich auch die Almtiere wissen, denn von Neugierde getrieben kamen sie während des Gottesdienstes immer wieder in die Nähe des Freialtars. Den Tag rundete schließlich ein gemütliches Beisammensein bei zünftigen, alpenländischen Weisen durch die „Gamsbluat Musi“ am Langenbauern-Kaser ab.

Auf Maria schauen – Christus begegnen

Ruhpoldinger Madonna
Die diesjährige Wallfahrt nach Maria Kirchental hatte als Leitmotiv die Überschrift „Auf Maria schauen – Christus begegnen“. Vier verschiedene Mariendarstellungen dienten als Impuls bei den Gebetsstationen auf dem Weg: die Ruhpoldinger Madonna, die Marienfigur der Mariensäule in München, die schmerzhafte Gottesmutter in der Ruhpoldinger Kriegerkapelle und schließlich die Stieglitz-Madonna von Maria Kirchental.
In den vier Augustwochen veröffentlichen wir jeweils eine Betrachtung. Sie können auch im Alltag oder im Urlaub ein kleiner Wegbegleiter sein.
 
Die Ruhpoldinger Madonna
Wir haben uns heute auf den Weg zur Muttergottes von Kirchental gemacht. Dabei wollen wir verschiedene Bilder und Statuen genauer betrachten. Uns allen ist die romanische Madonna unserer Pfarrkirche vertraut. Sie ist eine der ältesten Skulpturen der Gottesmutter in Deutschland und kunsthistorisch von großer Bedeutung. Wir können uns jetzt sicher leicht vorstellen, vor dem rechten Seitenaltar zu sitzen und unsere Madonna zu betrachten. Sie ist in den Farben der Ruhpoldinger Fahne gefasst: Grün, Gold und Rot. Sie sitzt majestätisch vor uns und begegnet uns mit einem durchdringenden aber zugleich gütigen Blick. Es bleibt sicher für jeden von uns sehr einprägsam, dass dieser gütige Gesichtsausdruck immer gleich bleibt, egal von welcher Position wir auf die Statue schauen.  Dieser Blick kann uns mehrere Botschaften vermitteln:
Maria nimmt uns wahr, so wie wir zu ihr kommen!
Sie hört uns zu!
Sie weiß um unsere Sorgen und Nöte!
Zugleich verweist die Gottesmutter auf Jesus als Lehrer und Meister: Wir müssen aber genauer hinsehen, um den vergleichsweise klein dargestellten Gottessohn zu erkennen.  Er sitzt auf ihrem Schoß und erhebt seine rechte Hand als Weltenherrscher. Auffälligerweise hat er die Gesichtszüge eines Erwachsenen. Beim Betrachten der Skulptur wird schnell klar, dass uns der Sohn Mariens etwas zu sagen hat: Er ist es, um den es eigentlich geht. Die aufrechte Haltung der Gottesmutter bewirkt, dass sie gleichsam wie ein Thron für den König Jesus Christus erscheint.
Patrona VBavarie
picture-alliance/dpa
Maria, die Schutzfrau Bayerns
In diesem Jahr wurde zum 100. Male das Hochfest „Maria, Schutzfrau Bayerns“ gefeiert. 1916 gestattete Papst Benedikt XV. auf Wunsch des letzten bayerischen Königs Ludwig III. mitten im Ersten Weltkrieg, Maria unter dem Titel „Patrona Bavariae“ zu verehren und dies auch in liturgischer Weise mit einem eigenen Hochfest im Mai zu begehen. Dass sich die Menschen in Bayern unter den Schutz der Gottesmutter Maria gestellt haben, hat bereits eine jahrhundertelange Tradition. Gerade in Zeiten der Bedrohung durch Kriege, Epidemien und andere Notlagen war die Sehnsucht der Menschen nach Schutz und Geborgenheit groß. Die Mariensäule in München mit der vergoldeten Marienstatue ist dafür ein eindrucksvolles Zeugnis. Sie wurde mitten im Dreißigjährigen Krieg aus Dankbarkeit errichtet. Es grenzte damals an ein Wunder, dass die Residenzstadt bei der Besetzung durch die Schweden nicht zerstört wurde. Seither steht Maria im Herzen Bayerns. Die Mariensäule ist auch in der Vermessung der geographische Mittelpunkt des Landes. Von hier aus wurden die Entfernungen der Straßen gemessen. Die goldene Marienfigur mit den mächtigen Türmen der Frauenkirche im Hintergrund darf als ein Wahrzeichen Münchens und Bayerns gelten. Maria ist als Himmelskönigin mit Krone und Zepter und den der Mondsichel zu Füßen dargestellt. Das Zepter trägt sie nicht fest umklammert, sondern mit einer eleganten Leichtigkeit. Maria schaut mit gütigem, liebevollem Blick herab. Mit der linken Hand hält sie das Jesuskind, das segnend die Hand erhebt und mit der anderen die Erdkugel hält. Zu Füßen der Säule überwinden vier Engel in heroischer Weise vier Tiere, welche die damaligen Menschheitsplagen verkörpern: Der Löwe steht für den Krieg, der Basilisk – ein Fabelwesen – für die Pest, der Drache für den Hunger und die Schlange für den Unglauben. Hier klingt der Psalm 91 an, in dem sich der Beter durch Gottes Schutz vor allen Gefahren geborgen weiß: „Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt; du schreitest über Löwen und Nattern, trittst auf Löwen und Drachen.“ Mit Blick auf Maria, die uns den Retter geboren hat und die selbst ihren Lebensweg ganz im Vertrauen auf Gott gegangen ist, dürfen auch wir unseren Lebensweg vertrauensvoll gehen. Auch auf unserem Weg haben wir Ängste, fühlen wir uns bedroht von Gefahren, die wir nicht im Griff haben, nicht steuern können. Aber wir dürfen diesen Weg in dem Glauben gehen, dass uns zwar nicht alles erspart bleibt, aber dass wir dennoch beschützt sind. Unser Weg nimmt von Gott seinen Ausgang und führt wieder zu ihm. Wir dürfen uns mit Blick auf Maria wieder bewusst in diese Grundrichtung hineinstellen. Ihr mütterlicher und gütiger Schutz darf dabei begleiten.
Kriegerkapelle1
Die schmerzhafte Madonna – die Pietà in der Ruhpoldinger Kriegerkapelle
Kurz nach dem Ersten Weltkrieg entstand in der Ruhpoldinger Pfarrei und Gemeinde der Wunsch, eine Kapelle zum Gedenken für die Gefallenen zu errichten. Als Standort wurde die halbe Höhe am Fußweg zur Pfarrkirche gewählt. Wer hatte damals gedacht, dass in absehbarer Zeit weitere große Gedenktafeln angebracht werden mussten, die die vielen Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges kaum fassen konnten.
In der Kapelle ist eine große Skulptur der Schmerzhaften Gottesmutter mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß und mit zwei knienden Engeln. Einer stützt das Haupt, der andere die Füße des Leichnams. Der Münchner Bildhauer Georg Wallisch hat die Figurengruppe geschaffen. Das verwendete Lindenholz stammt aus Ruhpolding.
 
Künstlerisch gesehen hat diese Pieta nicht die Feinheit der berühmten  Pieta, die Michelangelo aus Marmor geschaffen hat. Maria hat auch nicht das jugendliche Gesicht. Sie hat das Gesicht einer reifen Frau. Der unfassbare Schmerz ist verborgen in den geschlossenen Augen. Man muss eine Zeitlang vor der Figurengruppe stehen bleiben, um die ganze Wucht der Dramatik auf sich wirken zu lassen.
Es ist, als würde die Zeit und die Welt stehen bleiben.
Alles verliert an Bedeutung.
Wer in die kleine Kapelle eintritt und auf die Pieta mit ihrem toten Sohn blickt, lässt die Welt draußen zurück. Auch das Schöne und Erbauende des wunderbaren Anstiegs und Anblicks des Ruhpoldinger Kirchbergs.
Eine tiefe Begegnung mit Maria, mit Jesus Christus, der jedes Leid und den Tod in sich aufgenommen hat. Eine Begegnung, die einen erschüttert und doch Trost und Kraft gibt.
Gnadenbild1
Die „Stieglitzmadonna“ – das Gnadenbild von Maria Kirchental
Seit Ende des 17. Jahrhunderts wird in diesem abgelegenen Hochtal in den Loferer Steinbergen ein besonderes Marienbild verehrt, die so genannte „Stieglitzmadonna“. Sie wurde um 1400 von einem unbekannten Künstler geschaffen und stand ursprünglich in der Pfarrkirche von St. Martin. Das Besondere an dieser spätgotischen Marienfigur ist ein kleines Detail, das man nur bei genauerer Betrachtung erkennt. Das Jesuskind hält in seiner linken Hand einen Stieglitz. Mit seiner anderen Hand deutet es auf den kleinen Vogel. Was hat das zu bedeuten? Zum einen sah man im Stieglitz, der auch Distelfink genannt wird und sich bevorzugt vom Samen der stechenden Distel ernährt, einen Bezug zur Passion Christi. Wenn das Jesuskind auf den kleinen Vogel zeigt, dann erinnert mich das zum anderen an die Worte, die Jesus als Erwachsener in der Bergpredigt sagen wird: „Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht und ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?“ (Mt 6,26) Diese Worte Jesu sind keine Einladung zum Müßiggang oder dazu, in den Tag hinein zu leben, sondern er warnt vor der „falschen Sorge“. Wir Menschen als planende Wesen sind in Gefahr, dass uns die Sorge um das Morgen auffrisst, die Sorge, wie ich dies oder jenes auf die Reihe bekommen werde, wie ich dieses oder jenes Problem lösen oder auch, wie ich wirtschaftlich noch erfolgreicher, effektiver sein kann, was ich mit meinem Geld und meiner Freizeit mache, usw. Der Blick auf die Vögel des Himmels kann uns lehren: Sie leben auch ohne all diese Sorgen, ohne Planen und Bauen ganz gut. Geht es uns nicht auch so? Was müssten wir nicht noch alles erledigen. Hier noch eine Nachricht beantworten, dort eine Whatsapp schicken… Und vergessen in all unserm Tun zu fragen: Wozu? Was ist wirklich notwendig? „Euch aber muss es zuerst um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Mt 6,34) Wir sind eingeladen vom Alltag mit seinen Sorgen Abstand zu gewinnen und nachzuspüren, unser Leben wieder auf Gott hin auszurichten. Entscheidend ist nur unser ehrliches, aufrichtiges Ja zum Reich Gottes, unsere Bereitschaft, unsere Welt zu dem werden zu lassen, wie Gott sie haben möchte. Dann dürfen wir vertrauen, dass Gott uns alles schenken wird, was dazu notwendig ist. Auch hier können wir von Maria lernen, die mit ihrem Ja zu Gottes Plan ermöglicht hat, dass das Heil der Welt geboren wird. Machen wir uns auf und schauen wir auf die Vögel des Himmels, die auch ohne Sorge um das Morgen leben.