Evangelische und katholische Christen feierten gemeinsam das Reformationsfest
Was ist aus dem Reformationsgedanken entstanden? Das Trennende? Etwa nur ein zusätzlicher gesetzlicher Feiertag in diesem Jahr in Bayern? Weit gefehlt! Wenn man nur Ruhpolding betrachtet, steckt bedeutend mehr dahinter und zeigt, dass hier gelebte Ökumene innerhalb der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde ausgezeichnet funktioniert.
Durch gemeinsame Erlebnisse hatte man bereits das ganze Jahr über an das 500jährige Reformationsjubiläum erinnert, wozu der ökumenische Arbeitskreis aus Vertretern des evangelischen Kirchenvorstandes und des katholischen Pfarrgemeinderates sich vieles hat einfallen lassen. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres haben beide Konfessionen entschieden, ein gemeinsames Christusfest in der Schlosskapelle zu feiern, bei dem die sehr vielen Besucher aufgrund des großen Zuspruches nicht alle einen Sitzplatz fanden.
Die ökumenische Andacht wurde gemeinsam vom katholischen Ortspfarrer Otto Stangl und seinem evangelischen Amtskollegen Thomas Schmeckenbecher, zusammen mit dem Pastoralreferenten Georg Gruber und Pastoralreferentin im Vorbereitungsdienst Constanze Bär gestaltet. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von den „Taubenseebläsern“. In ihrer „Dialogpredigt“ gingen die beiden Pfarrer kurz auf die Geschichte der Reformation ein, um dann festzustellen: „Im Mittelpunkt soll Jesus stehen“. Ergänzend dazu zitierten sie die Bibelstelle: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ und meinten übereinstimmend, dass Christus Menschen brauche, die Frucht bringen. „Das Reformationsjahr ist ein Christusjahr und beide Konfessionen haben die gleiche Ausrichtung“. Provokativ gemeint war die Frage, ob man Trennung auch feiern könne. Die Antwort war kurz und einleuchtend: „Die Einheit ist Christus“. Und damit auch der bayerische Grundsatz: „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“ nicht zu kurz kam, fanden sich nach dem Gottesdienst noch viele Christen beider Konfessionen im „Ruhpoldinger Hof“ zu einem gemütlichen Beisammensein ein.
Wie Ökumene funktionieren kann, zeigt auch die Historie in Ruhpolding. Wollte man an einem evangelischen Gottesdienst teilnehmen, musste man bis 1922 nach Traunstein fahren. Der erste evangelische Gottesdienst fand schließlich 1922 im Rathaussaal der Gemeinde Ruhpolding statt, die diesen Raum unentgeltlich zur Verfügung stellte. Den organisatorischen Aufbau einer lutherischen Kirchengemeinde kann man mit dem 11. Mai 1924 in Verbindung bringen, denn da wurde der „Evangelische Verein Ruhpolding“ gegründet. Durch den aufstrebenden Tourismus ab 1933 wurde auch der Ruf nach regelmäßigen evangelischen Sonntagsgottesdiensten für die Touropa- Gäste laut. Die organisatorische Entwicklung fand 1938 ein jähes Ende, als die Benützung des Rathaussaales aufgrund nationalsozialistischer Bestrebungen verboten wurde. Es war sehr schwierig einen neuen Betsaal zu finden, man konnte zunächst auf die Gasthäuser „Alte Post“ und „Neuwirt“ ausweichen, ehe auch das nicht mehr möglich war. 1940 fand man einen Ersatzraum an der Seehauserstraße, der gemietet werden konnte. Die Schlosskapelle, an dem nun das 500jährige Reformationsgedenken gefeiert wurde, stellte das katholische Pfarramt unter Pfarrer Joseph Eder ab 1. März 1949 für die evangelischen Gottesdienste zur Verfügung stellt, zu einer Zeit, in der das Wort „Ökumene“ noch nicht einmal ansatzweise in den Mund genommen wurde. Doch genau diese Ökumene hat in Ruhpolding stets gut funktioniert - und soll es auch bleiben.
Geistlicher Rat Bernhard Schweiger durfte sein Geburtstagsgeschenk einlösen
Zu seinem 90. Geburtstag im vergangenen Oktober, das unter anderem auch mit einem Festgottesdienst gefeiert wurde, erhielt Geistlicher Rat Pfarrer Bernhard Schweiger viele Glückwünsche. Als besonderes Geschenk hat sich die Pfarrgemeinde aber etwas Besonderes einfallen lassen – eine Fahrt nach Rom, um dem emeritierten Papst Benedikt XVI. einen Besuch abzustatten.
Wie es dazu kam ist schnell erklärt. Beide wurden 1951 zum Priester geweiht und somit ist Joseph Ratzinger auch ein Kurskollege des Jubilars. Der junge Kaplan Ratzinger konnte übrigens in Traunstein seine Primiz zusammen mit Dr. Rupert Berger feiern. In den Jahren, als Kardinal Ratzinger Präfekt der Glaubenskongregation in Rom war, sind seine Weihekollegen immer wieder einmal gerne in den Vatikan gefahren, um den ehemaligen Erzbischof der Diözese München und Freising in der ewigen Stadt zu besuchen, darunter immer wieder einmal Pfarrer Bernhard Schweiger. In seiner Zeit als Papst Benedikt XVI. und danach als emeritierter Pontifex hat er immer wieder seine Kurskollegen privat empfangen. Als der Kreis der Besucher immer kleiner wurde, besuchte ihn Pfarrer Schweiger im vergangen Jahr alleine. Als er zurückkam, meinte er: „Das war das letzte Mal, es ist doch eine anstrengende Reise“.
Im Hinblick auf den 90. Geburtstag von Pfarrer Schweiger ist dann die Idee entstanden, ihm doch noch einmal eine Reise nach Rom zu ermöglichen – dieses Mal aber mit einem Privatauto. Und so kam es, dass Pfarrer Otto Stangl und der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Manfred Hartl den Jubilar nach Rom fuhren. „Eine schöne Fahrt mit herrlicher Herbststimmung, angenehmen Pausen und ein Quartier ganz nahe am Petersplatz“, sagte Pfarrer Stangl. Am nächsten Tag war es Pfarrer Schweiger und Pfarrer Stangl vergönnt, dass sie bei der Heiligen Messe als Konzelebranten mit Benedikt XVI. gemeinsam am Altar stehen durften. Und zur Freude der kleinen Ruhpoldinger Delegation wurden sie hernach noch zum Frühstück mit dem „Papa emeritus“ bei natürlicher und freundschaftlicher Atmosphäre eingeladen.
„Für mich war es besonders schön zu erleben, wie sich beide gefreut haben – Pfarrer Schweiger und Papst Benedikt“, sagte dazu der Ruhpoldinger Ortspfarrer. Abschließend hat Benedikt XVI. zum Abschied den drei Ruhpoldingern seine Grüße und Segenswünsche für alle zu Hause mitgegeben. Und so wurde das Geburtstagsgeschenk für Geistlichen Rat Bernhard Schweiger auch für ihn zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Geistlicher Rat Bernhard Schweiger feierte seinen 90. Geburtstag
Ehre wem Ehre gebührt! Anlässlich des 90. Geburtstages von Geistlichem Rat Bernhard Schweiger, dem man sein hohes Alter wahrlich nicht anmerkt, fand am vergangenen Sonntag ein Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Georg statt, an dem auch alle Ortsvereine mit ihren Fahnenabordnungen teilnahmen.
Dem Jubiläum angepasst, fungierte Pfarrer Schweiger selbst am Altar als Hauptzelebrant, begleitet vom Konzelebranten Ortspfarrer Otto Stangl und unterstützt von Pastoralreferent Georg Gruber und Diakon Sepp Eixenberger. Der Ruhpoldinger Kirchenchor begleitete eindrucksvoll den Festgottesdienst mit der „Windhaager Messe“ von Anton Bruckner. „Mich drängt es, das Wort Danke an den Anfang zu stellen“, sagte eingangs der Predigt der Ruhestandspfarrer. Froh dürfe er auf 90 Jahre seines Lebens, davon 66 Jahre im Priesterdienst, zurückblicken. „Es ist ein Geschenk Gottes!“.
Geistlicher Rat Bernhard Schweiger ist ein „echtes Münchner Kindl“. Er wurde am 20. Oktober 1927 in der Landeshauptstadt geboren, ist in Sendling aufgewachsen, ging dort zur Schule und war dann später Kurskollege des emeritierten Papstes, Benedikt XVI. Er empfing 1951 in Regensburg als Karmeliterpater seine Priesterweihe. Danach reifte in ihm der Entschluss, als Diözesanpriester in das Bistum München und Freising zu gehen. Häufig hat er in den folgenden Jahren seine Stellen wechseln müssen, ehe er 1969 für fast 30 Jahre in Freilassing Pfarrer wurde. 1997 ging er in Ruhestand und kam nach Ruhpolding, wo er noch als Hausgeistlicher im Heilpädagogischen Zentrum tätig ist. Er hilft auch heute noch in der Pfarrei in der Seelsorge mit, leitet zum Beispiel immer noch den Bibelkreis, macht Krankenhausbesuche im Vinzentinum und hilft auch bei den Gottesdiensten gerne aus.
Die Gratulation der Stadt Freilassing überbrachte am Ende der Messe Bürgermeister Sepp Flatscher, der eigens mit einer beachtlichen Delegation mit dem Bus zum Festgottesdienst gekommen war. Auch Bürgermeister Caus Pichler wünschte im Namen der Gemeinde Ruhpolding dem Jubilar noch viele weitere gesunde Jahre. Diesen Wünschen schlossen sich auch die Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Gisela Hunklinger und Manfred Hartl sowie Kirchenpfleger Konrad Fegg an und überreichten ihm einen „Papstschirm“, damit Pfarrer Schweiger für seine „bevorstehende Reise nach Rom gut gerüstet ist“. Beim anschließenden Frühschoppen mit Weißwurstessen im Hotel zur Post brachten der „Kirabiche Viergsang“ und der Kirchenchor noch Geburtstagsständchen dar, ehe zum Schluss der gesamte Saal noch ein gemeinsames Lied zu Ehren des Jubilars anstimmte.