Pfarrei
St. Georg Ruhpolding


„Ein feste Burg ist unser Gott“

Evang. Kirche
Zum Reformationsgedenken wurde „Raum & Klang“ in der evangelischen Kirche fortgesetzt
Das war ein Auftakt nach Maß zu einer ganzen Reihe von Veranstaltung anlässlich des 500jährigen Reformationsjubiläums. In der evangelischen Johanneskirche fand nämlich die Fortsetzung der Veranstaltungsreihe „Raum & Klang – eine musikalische Entdeckungsreise“ statt. Bereits zum neunten Mal nahm das bewährte „katholische“ Team um Pastoralreferent Georg Gruber am Mikrofon, Kirchenmusiker Richard Krekel an der Orgel und Manfred Hartl als Beleuchtungstechniker die zahlreich erschienenen Zuhörer mit auf eine interessante und wohlklingende Reise durch das Gotteshaus.

  „Vielleicht haben Sie sich im Vorfeld gewundert, warum wir als katholisches Team jetzt eine musikalische Entdeckungsreise in der evangelischen Kirche machen“, sagte eingangs Gruber. Der Hintergrund: Seit dem vergangenen Jahr gibt es in Ruhpolding eine ökumenische Arbeitsgruppe, die sich Gedanken darüber macht, wie das Reformationsgedenken auf gemeinsame Weise begangen werden kann. „Dabei ist die Idee aufgetaucht, die Veranstaltungsreihe „Raum & Klang“ in der Johanneskirche fortzusetzen“. Er meinte, dass es ganz spannend sein könnte, wenn man die Kirche „mit unseren katholischen Augen“ in den Blick nimmt.
 Und dieser Blick richtete sich zunächst auf die Gesamtbetrachtung des Kirchenbaues, der „auf einem Hügel thront, umfriedet von einer Mauer und dieser gedrungene, massige Turm mit dem Spitzhelm und den großen Schallfenstern“. Das erinnere ihn an die Kirchenburgen der Romanik und daraus sei auch das Motto der Veranstaltung entstanden; „Ein feste Burg ist unser Gott“ – benannt nach einem Choral von Martin Luther, den er 1529 verfasste. Dazu kündigte er die gleichnamige Orgelkomposition von Johann Pachelbel an, der von 1653 bis 1706 lebte. Kirchenmusiker Richard Krekel verstand es dabei, durch den Klang der Orgel den Raum auf die Zuhörer wirken zu lassen.

Gruber nahm anschließend die Innenraumgestaltung in den Fokus seiner Betrachtungen, die hauptsächlich die Handschrift des einheimischen, akademischen Bildhauers Andreas Schwarzkopf trägt, der 1902 in Augsburg geboren wurde und 1991 in Ruhpolding verstarb. So zum Beispiel den Taufstein aus Ruhpoldinger Marmor, den der Künstler 1954 schuf. Das Taufbecken ziert ein schlichtes Kreuz und um den Rand des Beckens zieht sich die Inschrift: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht“. Dazu meinte der Pastoralreferent: „Er ist zwar nicht das auffälligste Stück der Kirche, aber die Taufe ist für alle christlichen Konfessionen das grundlegende Sakrament“. Passend dazu intonierte Krekel ein meditativ- melancholisches Orgelstück des 1950 geborenen englischen Komponisten und Kirchenmusikers Andrew Fletcher mit dem Titel „Psalm Prelude“, ein Stück, das etwas ruhig Fliesendes ausstrahlte.

Nun richtete sich der Blick auf die zentrale Darstellung im Altarraum – die Kreuzigungsgruppe von Andreas Schwarzkopf, die zweifellos zu den herausragenden Werken des Künstlers gehört. Die Kreuzbalken wurden aus den 300 Jahre alten Balken der Tenne des Höglhofes gefertigt und der Korpus am Kreuz wurde aus einer Linde geschnitzt, die im Pfarrhof der Münchner Christuskirche stand und dem Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges zum Opfer fiel. „Schwarzkopf hatte dieses Holz von Anfang an für ein sakrales Kunstwerk ausersehnen“, sagte der Theologe und ergänzte: „So ist bereits im Material die menschliche Arbeit wie auch das menschliche Leid und Schuld enthalten. Anschließend gingen seine Betrachtungen auf die Darstellung über, die einen Körper vom Leid gezeichnet zeigen, aber dennoch eine gewisse Spannung und Hoffnung ausstrahlt. Auch auf die beiden Beistandsfiguren ging Gruber ein – den Lieblingsjünger Johannes und seine Mutter Maria. Wie allgemein in der christlichen Ikonographie üblich ist Johannes mit einem jugendlichen Aussehen dargestellt, „hier am Kreuz nimmt er aber die Stellung eines Apostels ein, der ein tieferes Verständnis für Jesus und seinen Weg hat“. Bei der Betrachtung von Maria falle auf, dass „ihr Gesicht von tiefem Schmerz gezeichnet ist, der Mund geschlossen, ohne Spannung“, so Gruber weiter.

Passend zu dieser Darstellung von Golgatha stimmte Krekel die mehrstrophige Vertonung des Kirchenliedes „Da Jesus an dem Kreuze stund“ von Samuel Scheidt, der von 1587 bis 1654 lebte. Zu hören war der „versus choralis I – III“.
Ebenfalls auf Andreas Schwarzkopf geht der Kreuzweg auf 13 Bronzetafeln entlang der Langhauswände zurück. Die zehnte und elfte Station sind dabei auf einer Tafel zusammengefasst. „Wir können in den Reliefs viel Bewegung, ausdrucksstarke Gesichter und interessante Details erkennen“ führte der Theologe aus. „Auch, wenn wir vieles dabei nicht verstehen können, so dürfen wir doch unseren Weg in dem Vertrauen gehen, dass mit Christus an unserer Seite dieser Weg zum Leben führt“. Dazu war noch einmal die Versvertonung von Samuel Scheidt zu hören, dieses Mal mit „versus choralis IV – V“. Nun richtete sich der Blick auf die Holzdecke im Langhaus, auf der die vier Evangeliensymbole dargestellt sind. „Der Kirchenbesucher steht somit unter dem Wort Gottes, der Frohbotschaft von Jesu Christi“. Die vier Symbole der Evangelisten umgeben das Kreuz und die Schrift bezeugt diese frohe Botschaft. Die Decke der Johanneskirche bringt dieses Verständnis zum Ausdruck, führte der Sprecher an. Dazu war das Werk des französischen Spätromantikers Theodore Dubois „Cantilene religieuse“ zu hören, der 1924 in Paris starb.

Ganz zum Schluss ging er auf das jüngste Element im Kirchenraum ein, das Vortragekreuz, das 2010 angeschafft wurde und ein Abschiedsgeschenk des Pfarrerehepaares Irmgard und Helmut Steib ist. Gefertigt wurde dieses Bronzekreuz vom Ruhpoldinger Bildhauer Helmut Müller. „Dieses Kreuz macht deutlich, dass Tod und Auferstehung immer zusammen gedacht werden müssen“, erklärte der Vortragende. Das Kreuz ist durchbrochen und wie aus einer Öffnung des Grabes tritt Christus segnend entgegen. Mit diesem Blick auf den Auferstandenen schloss Georg Gruber die Entdeckungsreise ab und Richard Krekel intonierte abschließend das Orgelstück „Adoration“ des 1991 verstorbenen französischen Komponisten Jean Langlais.

Die hervorragende Kombination aus Betrachtung und Orgelmusik eröffnete den Besuchern der Veranstaltung die Möglichkeit, die evangelische Kirche auf ganzheitliche Art zu entdecken. Das Kirchenschiff wurde dabei zu einem wahren Festsaal für die Musik und der Kirchenmusiker bewies sein außergewöhnliches Talent auch auf der Steinmeyer-Orgel.