Sehr große Hände hat er, der Ölbergchristus von Umrathshausen. Große Hände vielleicht deswegen, weil er in der Nacht der Todesangst so viel aus den Händen geben muss?
Gebet hat immer damit zu tun, etwas aus der Hand zu geben, und in die Hände eines Anderen zu legen - des Größeren - alles in die Hände Gottes zu legen. Mit dem Ölberggebet legt Christus alles Gott in die Hand: Seine Angst, seinen Willen, sein Leiden, seine Wünsche, sein Vertrauen.
Nicht nur am Ölberg begegnet uns in den Passionserzählungen der Evangelisten der betende Jesus. Wir hören vom Lobpreis beim Letzten Abendmahl über die Gaben von Brot und Wein, vom Lobgesang, den er mit den Aposteln anstimmt. Johannes überliefert das Abschiedsgebet von Jesus (Joh 17,1-26), in dem er dem Vater sein Lebenswerk und die Menschen ans Herz legt, um die Einheit der Jünger bittet und um Bewahrung vor dem Bösen, um seine Verherrlichung und um die Liebe, damit sie in denen sei, die ihm anvertraut sind.
Der sterbende Jesus ruft in einer Klage seine ganze Not in den dunklen Karfreitagshimmel „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, und haucht mit den vertrauensvollen Worten „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“ sein Leben aus.
Auf dem Weg nach Golgota nimmt uns Jesus in die ganze Bandbreite des Betens mit, vom dankbaren Lobpreis bis zur fragenden Klage. Und auch von der menschlichen Not mit dem Beten hören wir, wie wir an den drei auserwählten Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes sehen können, die der Herr an den Ölberg mitnimmt: „Bleibt hier und wacht! Wacht und betet!“ - die Jünger aber schlafen ein.
Als Christen beten wir zu Jesus und mit Jesus. Die großen Hände des Umrathshausener Ölbergchristus mögen uns daran erinnern, dass im Gebet alles Gott, dem Vater, in die Hände gelegt wird.
Eine segensreiche Erfahrung mit dem persönlichen Gebet wünsche ich Ihnen, sowie einige für Sie hilfreiche Gedanken dazu aus unserem Osterpfarrbrief.