Der Wind weht über die abgeernteten Felder und durch die Bäume, die beginnen ihr Laub zu ver-lieren. Auch jeder von uns ist den Winden, der Kälte, den Unbilden der Natur wieder mehr ausge-setzt. Aber was macht das uns Menschen des 21. Jahrhunderts, die wir von den Mächten der Natur - von einigen überraschenden Katastrophen einmal abgesehen - keine Angst mehr haben, weil viele technische Mittel uns schützen und vielfältige Vorsorge uns absichert. Keile Angst mehr also?
Die Kenner der Seele des modernen Menschen wissen aber um seine steigende Angst. Es ist die Angst des menschen vor andere Menschen, vor Abhängigkeit, vor anonymen Mächten in der Ge-sellschaft.
Immer noch ist der Mensch ausgesetzt, ungeborgen. Kann er neu die Erfahrung machen, die in den Psalmen so oft ausgesprochen ist: "Gott ist mein Schutz"? Der Psalm 91 spricht von dem, "der unterm Schutz des Höchsten wohnt".
Das verdrängt der Betende nicht die Gefahren, die um ihn sind, die Pfeile des Tages, die Angriffe des Bösen, den Schrecken der Finsternis, die Seuche des Mittags. Vor dem kalten Wind, der über das Feld der Welt weht, gibt es auf Dauer keine äußerer Ab-schirmung. Der Schutz des Betenden ist in ihm, in seinem Wissen um Gott. "Auf mich hat er vertraut, ich rette ihn. Ich will ihn schützen, weil er meinen Namen kennt. Ich bin bei ihm in der Bedrängnis, ich reiße ihn heraus und hülle ihn in ein Licht" (Ps 91,15).So vieles besitzen wir, so vieles wissen wir und können wir. Und doch bleiben Angst, Einsam-keit und Leere. Dies eine kann uns helfen: In unse-rem Herzen Gottes Namen tragen, ihn zu kennen, in der tiefsten Seele immer wieder sagen: "Du bist mein Schutz! Die Mächte des Bösen, des Unheim-lichen sind auch um uns und in uns. Aber wer sich in den Schutz Gottes begibt, den berühren sie in der Tiefe nicht mehr." (vgl. Ps 91).
Den Psalm 91 finden Sie auch in unserem Gotteslob unter der Nummer 664/6.
Uns alle behüte unser guter Gott!
Ihr Bernd Schmitz, Ständiger Diakon