Liebe Gemeinde!
Da steht heute in der Lesung das Wort aus dem Alten Testament: „Wenn ihr nicht vertraut, könnt ihr nicht bestehen.“ Wörtlich übersetzt: „Wenn ihr nicht vertraut, dann bleibet ihr nicht betreut.“
Vertrauen. Lasst uns ein bisschen das Wort bedenken, was das ist! Es zieht sich durch unser ganzes Leben: vertrauen, sich loslassen, einen Boden finden, etwas was trägt. Tragen ist das Gegenwort zu vertrauen, in der Bibel ein Hauptwort, tragen. Dann lasst uns dem einmal nachdenken. Ein Kind schon wird, gar schon im Mutterleib, getragen. Und dann nach der Geburt will es getragen sein, getragen sein und immer wieder getragen sein. Tragen. Dem entspricht also sich lassen, vertrauen. Das ist eine Grundmusik in der Geschichte in unserm Leben: tragen und vertrauen. Wenn ihr nicht vertraut, dann könnt ihr nicht getragen werden.
Und nun lasst uns durchdenken. Beginnen tut`s in unserer Erfahrung, wie schon gesagt, schon im Mutterleib und danach im Kleinkindalter. Aber das hört nie auf. Immer wieder sind wir herausgefordert, jemandem oder auf etwas zu vertrauen in der Erwartung, dass der Jemand, dass das Etwas trägt. Das kann man verfolgen durchs Leben hindurch, wir vertrauen und werden getragen. Dann löst sich dieser Vorgang weg von dem Menschen, am Anfang von Mutter und Vater und dann von so vielen, und es wird selbständig. Und wir entdecken: hinter jedem Ding, das uns trägt, hinter jedem Menschen, der uns trägt, ist der eigentlich Tragende, und das ist Gott. Aber Gott ist nicht da oben, er ist eben in dem Ding und in dem Nächsten, dem Menschen; dahinter verbirgt er sich, von daher kommt er uns zugute, er trägt uns. Gott ist, so kann man sagen, der, der unser Leben trägt, der, der uns trägt. Das will man wohl bedenken, das durchzieht unser ganzes Leben, immer wieder sind wir gelassen auf Gott, trauend auf Gott, dass er trägt. Das ist der Gedanke des heutigen Sonntags, der soll uns bewegen.
(Eine der letzten Predigten, die Hermann Seifermann
in St. Laurentius zu München gehalten hat.)