Philipp Dessauer wurde am 11. Mai 1898 in Neuburg a.d. Donau geboren. Sein Vater Dr. Hugo Dessauer war Gymnasialprofessor. Nach Abitur (1917) und kurzem Kriegsdienst begann er 1918 das Studium der Naturwissenschaften und der Philosophie. Er entschied sich, Priester zu werden, und studierte in Freiburg im Breisgau und Innsbruck Theologie. Seit 1923 gehörte er zu dem Freundeskreis, der später das Oratorium gründete. Diese wählten ihn in Innsbruck zu ihrem Superior.
Philipp Dessauer war treibende Kraft für die Entscheidung, die Wirkungsstätte für die Arbeit des Oratoriums in eine Großstadt zu verlegen. So zitiert Josef Gülden, einer der Gründungsmitglieder des Oratoriums Leipzig, Philipp Dessauer: „Wir möchten gerne in eine Großstadt; denn uns scheint, muss man sagen: der meiste Glaubensabfall geschieht in der Großstadt. Wenn es aber irgendwo brennt, muss man an der Brandstelle löschen. Und so möchten wir gemeinsam einen Lebenseinsatz in der Großstadt machen…..“
Am 3. April 1927 wurde Dessauer zum Priester geweiht. Er war zunächst Kaplan in seinem Heimatbistum Würzburg. Von 1930 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war er Mitglied im Leipziger Oratorium. In der Lebensgemeinschaft dieses Hauses konnte er die fruchtbare Wirksamkeit als Seelsorger und als wissenschaftlicher Arbeitender entfalten. Die Universität bot ihm Anregung für seine philosophischen, soziologischen und religionsgeschichtlichen Studien. Im Bereich der Seelsorge entfaltete und bewährte sich bald seine außergewöhnliche Gabe, Menschen in schwierigen Lebenslagen zu verstehen und zu leiten.
Als das Ende des 2. Weltkriegs ihn nach München führte, schloss er sich dort mit einigen Mitgliedern des Leipziger Hauses zu einem neuen Oratorium zusammen.
Philipp Dessauer setzte sich mit philosophischen, anthropologischen, entwicklungspsychologischen und psychologischen Ansätzen auseinander und studierte diese in seiner Zeit im Münchner Oratorium. Dort verfasste er seine Schriften vor allem zur naturalen und christlichen Meditation.
Bezeichnend für die Weite des Blickwinkels seiner Darlegungen war das Thema des letzten, im Münchner Sophiensaal gehaltenen Vortrags: „Buddha und Christus“.
Ein Anliegen von Philipp Dessauer war die aktive Beteiligung der Laien am Apostolat der Kirche. Diese Tätigkeit war als eine eigenständige und nicht von der Kirchenleitung nur delegierte Aufgabe anzusehen. Die Begründung und Legitimierung des Laienapostolats ging vom gemeinsamen Priestertum der Gläubigen aus, das sich in der aktiven Teilnahme an der Feier der Liturgie aktualisierte.
Philipp Dessauer starb am 28. Juli 1966 und ist auf dem Friedhof der Oratorianer in St. Laurentius in München begraben.
Quellen:
Andreas Poschmann: Das Leipziger Oratorium, Liturgie als Mitte einer lebendigen Gemeinde,
Benno-Verlag Leipzig 2001, Seite 63
und
Nachruf für Philipp Dessauer
Angesichts des Wegfalls des katholischen Milieus und mit Anspielung auf nationalsozialistische Propaganda weist Dessauer auf die wachsende Notwendigeit des mündigen Glaubenszeugnisses hin:
„…..die Stirn, die den Kampf bestehen kann, ist in der Firmung gesalbt, und nicht zum immer nur Hören auf das Wort der kirchlichen Obrigkeit, sondern zum selbst Entscheiden und Unterscheiden in eigener Verantwortung.“ (in: Die Schildgenossen Band 14 (1934/35) S. 481 – 499 )
„Daher darf man nicht erstaunt sein, wenn man die Beobachtung macht, wie ‚Christ in der Welt’ und ‚Christ in der religiösen Lebensform’ sich gegenseitig bedingen….“ a.a.O. S.498
Gottesdienstliches und sakrales Leben ist kein Rückzugsrecht aus dem Weltdasein. Messopfer, Liturgie, Sakrament befinden sich vielmehr dann in rechter Ordnung, wenn der Christ sich dort die Kraft zu christlicher Existenz in der Welt holt.
Ph. Dessauer: Meditation im christlichen Dasein,
Kösel Verlag, München, 1948
Ph. Dessauer: Natural Meditation,
Kennedy & Sons, New York, 1965
Philipp Dessauer
Der Begriff des Laien
Die Schildgenossen Bd. 14, S. 481 – 499, 1934/1935
Philipp Dessauer
Priesterliche Existenz
Der Seelsorger Bd. 15, S.337 – 346, 1935/1936
Philipp Dessauer
Der Anfang und das Ende
Eine theologische und religiöse Betrachtung zur Heilsgeschichte
Leipzig 1939
Philipp Dessauer
Trauer und Seligkeit
Neue Kleinschriften
Freiburg 1945
Philipp Dessauer
Besitzen und Wohnen
Frankfurt am Main 1946
Philipp Dessauer
Wahrheit als Weg
München 1946
Philipp Dessauer
Das bionomische Geschichtsbild
Hintergründe und Konsequenzen einer Geschichtsideologie
Freiburg 1946
Philipp Dessauer
Erwartung der Ewigkeit
Ansprachen und Meditationen
Frankfurt am Main 1947
Philipp Dessauer
Religion im Lichte der heutigen Naturwissenschaften
Frankfurt am Main 1951
Philipp Dessauer
Die Naturale Meditation
München 1961
Philipp Dessauer
Erwartungen der Ewigkeit
Ansprachen und Meditationen
Mit einem Vorwort von Heinrich Kahlefeld
Frankfurt am Main 1967
Philipp Dessauer
Meditation im christlichen Leben
München 1968 und Leipzig 1970