St. Laurentius, München

Klemens Tilmann (1904 - 1984)

Lebenslauf
Klemens Tilmann wurde am 31.12.1904 in Berlin geboren. Schon frühzeitig kam er zum Quickborn und war seitdem der Jugendbewegung und Burg Rothenfels eng verbunden. Nach dem Abitur (Ostern 1924 in Darmstadt) ging er zum Theologiestudium nach Innsbruck und promovierte dort in Philosophie. Bald fand er zu dem Kreis der Freunde, welche die Gründung eines Oratoriums planten, und setzte mit einigen von ihnen sein Studium in Tübingen fort. Nach der Priesterweihe am 20.07.1930 war er zunächst als Kaplan in Dresden tätig. Dort entstand auch sein erstes Buch „Das Schönste, was es gibt“.

Von 1934 bis zu seiner Einberufung als Sanitätssoldat im Oktober 1940 war er Mitglied des Leipziger Oratoriums. Sein Ruf als Religionslehrer und Jugendseelsorger veranlasste den damaligen Generalpräses Ludwig Wolker, ihn für eine Mitarbeit am Jugendhaus Düsseldorf zu gewinnen. Seit 1936 wurde Klemens Tilmann zu den Vorbereitungen für einen neuen Katechismus herangezogen und 1938 mit der Ausarbeitung eines Entwurfs beauftragt. Er war einer der Hauptverfasser des 1955 eingeführten („grünen“) Katechismus der Bistümer Deutschlands. Nach dem Krieg schloss er sich dem in München entstehenden Oratorium an.

Klemens Tilmann lag der unmittelbare Dienst am Glauben in der Verkündigung am Herzen, im Gespräch und im Unterricht, in Vorträgen und Kursen, in Artikeln, Schriften und Büchern. Er hatte die Gabe, Anliegen und Erkenntnisse der biblischen und liturgischen, der seelsorglichen und katechetischen Neubesinnung einem weiten Kreis aufzuschließen und für die Praxis fruchtbar zu machen.
Klemens Tilmann war Verfasser verschiedener Kindermessen und Autor von Unterrichtsbüchern, die vom Deutschen Katechetenverein erstellt wurden. Schwerpunkt seines Wirkens waren seine religionspädagogischen Arbeiten. Er verfasste zahlreiche Schriften für die religionspädagogische Praxis. Selbst hatte er als Kaplan vielfältige Erfahrungen in der praktischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gesammelt.

In den 60er Jahren lehrte er Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule München-Pasing. Dort initiierte und begleitete Kreise, in denen christliche Lebensführung aus der Grundhaltung Jesu praktiziert werden sollte (z.Bsp. „Andreas-Kreis“). In den letzten beiden Jahrzehnten seines Lebens befasste sich Tilmann intensiv mit christlicher Meditation, und veröffentlichte mehrere Schriften zur Hinführung zur Meditation.

Auf Initiative von Josef Andreas Jungmann wurde er zusammen mit Franz Schreibmayr 1958 mit dem Ehrendoktor der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck ausgezeichnet. Seit 1960 gehörte er der vorbereitenden Kommission für das Vaticanum II an und nahm als Berater an den Sitzungen des Konzils teil und wurde 1966 zum Consultor des römischen Liturgierates ernannt. Er war Mitbegründer und längere Zeit Mitträger der Europäischen Arbeitsgemeinschaft für Katechese und des Instituts für Katechetik und Homiletik München und Mitglied des Liturgischen Instituts Trier.

Seit 1970 widmete er sich vor allem Veröffentlichungen und Kursen zur Einführung in die Meditation, die ihm im Laufe der Jahre immer wichtiger geworden war. Auch sein letztes Buch „Weg in die Mitte“ galt diesem Thema. Er starb am 21.12.1984 und ist auf dem Friedhof der Oratorianer in St. Laurentius in München begraben.

Quellen:
Andreas Poschmann: Das Leipziger Oratorium, Liturgie als Mitte einer lebendigen Gemeinde, Benno-Verlag Leipzig 2001, Seite 63
Totenzettel für Klemens Tilmann

Selbstzeugnisse

Tilmanns Gemeindeverständnis wird besonders deutlich durch die Auffassung, dass nicht der Pfarrer die Kirche sei, sondern die Gemeinde, deren Glied mit bestimmter Funktion der Pfarrer sei. Der Gemeinde „ist die dreifache Aufgabe anvertraut, Trägerin der Wahrheit, der Liebe und des Gottesdienstes zu sein“. (a.a.O. S. 126)

"Auch sind jene Zeiten vorbei, in denen Eltern glaubten, ihre Kinder könnten durch den Religionsunterricht in den Schulen Christ werden. Glaube muss den Kindern weit eher begegnen und zwar in der Familie. Unsere Zeit verlangt: In der Familie muss Gott vorkommen, muss über Gott gesprochen werden. Hier nimmt das Kind am Glauben der Eltern teil. Das geht nur, wenn der Glaube nicht stumm bleibt."

Klemens Tilmann, Wie spricht man heute in der Familie von Gott?, Donauwörth 1991

Bücherliste

(ausgewählte Veröffentlichungen von Klemens Tilmann)

Klemens Tilmann, Ludwig Wolker
Christopfer: Vom Diakonat junger Christen in der Gemeinde
Recklinghausen, 1939

Klemens Tilmann
Das Anliegen der volksliturgischen Arbeit
Recklinghausen 1940

Klemens Tilmann
Täglich beten – aber wie?
Weisungen und Texte
Recklinghausen 1940

Klemens Tilmann
Todesverächter
Ein Tatsachenbericht aus der Geschichte der Kirche in Fern – Ost
Freiburg 1942

K. Borgmann (Hrsg.)
Volksliturgie und Seelsorge
Ein Werkbuch zur Gestaltung des Gottesdienstes in der Pfarrgemeinde
Aufsatz von Josef Gülden (Klemens Tilmann)
Die Einführung der Pfarrgemeinde in die Liturgie
Kolmar/Elsaß 1942
(Der Aufsatz musste ohne Angaben des wirklichen Verfassers veröffentlich werden, da Klemens Tilmann durch die Reichsschrifttumskammer Publikationsverbot erhalten hatte)

Klemens Tilmann
Das Schönste was es gibt
Meditationen
Regensburg 1948

Franz Schreibmayer, Klemens Tilmann
Die Lehre von Christus
Werkmaterial zur Glaubensverkündigung und Jugendkatechese
Düsseldorf 1949

Franz Schreibmayer, Klemens Tilmann
Die Lehre von Christus in der Glaubensstunde der Jugend
Lehrstücke, Erläuterungen und Katechesen
Hildesheim 1949

Klemens Tilmann
Die Liturgie missionarisch gesehen
Freiburg 1949

Klemens Tilmann
Bußgebete nach der Beichte
Recklinghausen 1949

Klemens Tilmann
Per – Die Geschichte eines Jungen
Köln 1949

Klemens Tilmann
Vor der Reife
Eine geschlechtliche Unterweisung der Jungen
Nur für den Gebrauch des Erziehers
Recklinghausen 1950

J. Wagner, D. Zähringer (Hrsg.)
Eucharistiefeier am Sonntag
Reden und Verhandlungen des Ersten Deutschen Liturgischen Kongresses
(20. – 22. Juni 1950 in Frankfurt am Main)

Klemens Tilmann
Ein entscheidendes Gebet
Recklinghausen 1951

Klemens Tilmann
Die Bedeutung der Sonntagsmesse für die Pfarrgemeinde
Trier 1951

Klemens Tilmann (Ed.)
Deutsche Komplet zum Singen für die Gemeinde
München 1951

Klemens Tilmann
Ich will zu meinem Vater gehen
Buss- und Beichtandacht für 12 – 16 jährige
Recklinghausen 1951

Klemens Tilmann
Christusverkündigung an die Jugend der Gegenwart
München 1953

Klemens Tilmann
Um die Arbeitsmethoden in unserer Seelsorge
Würzburg 1954

Klemens Tilmann
Vor der Reise
Ein Wort an die Jugend
Leipzig 1954

Franz Schreibmayer, Klemens Tilmann (Hrsg.)
Handbuch zum Katechismus – Band I
Von Gott und unserer Erlösung
Freiburg 1956

Klemens Tilmann
Das geistliche Gespräch
Würzburg 1956

Eduard Dietl, Klemens Tilmann
Der weltweite Ruf
Ein Missionsbuch für junge Menschen
München 1957

Klemens Tilmann
Kinder in Gottes weiter Welt
Ein Missionsbilderbuch
Würzburg 1958

Klemens Tilmann
Ich möchte Dir was sagen
Eine Schrift von Geheimnissen des Lebens für Mädchen
Für die evangelische Jugend bearbeitet von Pfarrer Fritz Arndt
Stuttgart 1959

Klemens Tilmann
Die Führung der Kinder zur Meditation
Würzburg 1959

Klemens Tilmann
Kleine Schule des Gebetes für junge Christen
Freiburg 1960

Klemens Tilmann
Die Feier des heiligen Messopfers
München 1960

Klemens Tilmann
Die Führung zu Buße, Beichte und christlichem Leben
Würzburg 1961

Klemens Tilmann
Klärung und Wegweisung Band 1
Aufgaben und Wege geschlechtlicher Erziehung
Würzburg 1962

Klemens Tilmann
Gastmahl der Liebe
Eine Kindermesse
München 1962

Paul Ascher, Günter Stachel unter Mitwirkung von Klemens Tilmann (Hrsg.)
Weltall – Weltbild – Weltanschauung
Ein Bildungsbuch
Würzburg 1962

Klemens Tilmann
Gewissensbildung und Bußerziehung
Leipzig 1963

Franz Schreibmayer, Klemens Tilmann (Hrsg.)
Handbuch zum Katechismus – Band II
Von der Kirche und den Sakramenten
Freiburg 1964

Klemens Tilmann
Kerngebete
München 1964

Klemens Tilmann
Ich möchte Dir was sagen
Eine Schrift von Geheimnissen des Lebens für Mädchen
Stuttgart 1965

Klemens Tilmann
Glaubensgespräche mit anderen
Würzburg 1966

Klemens Tilmann
Sie warten auf Gott
Erfahrungen mit dem Evangelium in der Welt
München 1966

Klemens Tilmann
Das neue Kirchenverständnis in Katechese und Seelsorge
Donauwörth 1966

Klemens Tilmann
Klärung und Führung Band 8
Weckung und Führung
Würzburg 1966

Klemens Tilmann
Unterweisen und Verkünden Band 4
Staunen und Erfahren als Wege zu Gott
Einsiedeln 1968

Klemens Tilmann
Wie spricht man heute in der Familie von Gott
Donauwörth 1970

Klemens Tilmann
Die Führung zur Meditation
Die Meditation in unserer Zeit
Einsiedeln 1971

Klemens Tilmann
Übungsbuch zur Meditation
Stoffe, Anleitungen, Weiterführungen
Mit Schallplatte
Zürich 1973

Klemens Tilmann
Leben aus der Tiefe
Kleine Anleitung zur inneren Versenkung und christlichen Meditation
Einsiedeln 1975

Prof. Walter Berger (Hrsg.)
Ad personam Ludwig Wolker
Klemens Tilmann
Um „Scheideweg“ und um „Christopfer“
Buxheim 1975

Klemens Tilmann (Hrsg.)
Mit Mystikern sich Gott nähern
Luzern/ München 1978

Klemens Tilmann
Die Schulstreiche des Bartolomäus Klumpfstengel
München 1981

Klemens Tilmann
Weg in die Mitte
Glaubensmeditation: Erfahrung, Vollzüge, Reifung
Freiburg 1982

Klemens Tilmann
Glaube und Erfahrung
Leipzig 1989

Klemens Tilmann
Opfer des Lobes
Eine Kindermesse
München