St. Laurentius, München

Ernst Tewes (1908 - 1998)

Lebenslauf

Ernst Tewes, geboren am 4. Dezember 1908, trat mit 14 Jahren dem Bund „Quickborn“ in der deutschen Jugendbewegung bei und begegnete 1926 auf der Burg Rothenfels das erste Mal Romano Guardini, der die prägende Persönlichkeit für ihn wurde.
1928 begann Ernst Tewes seine Studien an den Universitäten Bonn, Münster und Tübingen und wurde 1934 zum Priester geweiht. Nach zwei Kaplansjahren und zwei Jahren Seelsorgetätigkeit in der wandernden Kirche der Diözese Berlin trat er in das Oratorium des Hl. Philipp Neri ein. Während des Krieges war Ernst Tewes von 1940 bis 1945 Seelsorger bei den Soldaten und wurde nach seiner Rückkehr aus der russischen Kriegsgefangenschaft Pfarrer der neu gegründeten Pfarrei St. Laurentius in München. 1963 berief ihn Kardinal Döpfner als Leiter in das neu eingerichtete Seelsorgereferat und weihte ihn 1968 zum Bischof für den Seelsorgebezirk München.
Der Seelsorger Ernst Tewes unterstützte den Weg der suchenden und pilgernden Kirche in der Zeit während und nachdem II. Vatikanischen Konzil zum heutigen Menschen hin. Das Vorzimmer des Klerikalismus und der Direktive, das Unmittelbarkeit und Nähe in der Kirche und Theologie verhinderte, musste verschwinden, eine neue Brüderlichkeit innerhalb der verschiedenen Stände der Kirche wachsen. Dabei geht es nicht so sehr um verschiedene Theologien und Dispute, sondern um die praktischen Schritte, die die nachkonziliare Kirche unternahm, um in der modernen Gesellschaft ihre Position neu zu bestimmen. So entstanden in seiner Bischofszeit und mit seiner Mithilfe folgende Einrichtungen und Berufe in der Kirche, die bis heute ihre Wirkung nicht verloren:

Einführung des Berufes Pastoralreferenten/innen
Gemeindereferenten/innen
www.erzbistum-muenchen.de/pastoralassistenten
(Unterpunkt Berufsbild, "Wie alles begann")

Münchner Insel unter dem Marienplatz
Krisen- und Lebensberatung
Ein Angebot der Kirchen
www.muenchner-insel.de/geschichte.html

Fünf nach Fünf
Orgelmusik und Texte mit Seelsorgerinnen und Seelsorgern in St. Michael
www.st-michael-muenchen.de

Kirche ohne Vorzimmer
Aussprache- und Beichtzimmer in St. Michael
www.st-michael-muenchen.de

1978 wurde Regionalbischof Ernst Tewes von der katholisch-theolischen Fakultät der Universität München die Ehrendoktorwürde verliehen.

Er starb am 16. Januar 1998 in München und ist auf dem Friedhof der Pfarrei St. Laurentius beerdigt.

Quelle:
Gerhard Gruber, Fritz Bauer:
Kirche ohne Vorzimmer
Begegnungen mit dem Münchner Regionalbischof Ernst Tewes
Planegg, 1986

Selbstzeugnisse

....Als wir nach der militärischen Grundausbildung für einige Wochen in die praktische Sanitätsausbildung in ein Militärlazarett kamen, wurde das anders. Hier wurden wir mit den Schwerverwundeten der Front konfrontiert. Hier mussten wir alles tun, was bei Schwerverwundeten und –operierten zu tun ist, auch Operationshilfe leisten und Nachtwache halten. Es blieb den Verwundeten nicht verborgen, dass sie es bei dem Sanitätskameraden mit einem katholischen Geistlichen zu tun hatten. Es entwickelten sich bei manchen Nachtwachen seelsorgerliche Gespräche mit denen, die wegen schwerer Verstümmelung ein ungewisses Leben vor sich hatten. Der junge Seelsorger hat bei dieser Art von menschlicher Näheund Not wohl am meisten gelernt.

Gerhard Gruber, Fritz Bauer:
Kirche ohne Vorzimmer
Begegnungen mit dem Münchner Regionalbischof Ernst Tewes
Ernst Tewes: Seelsorger bei den Soldaten 1940-1945
Planegg, 1986
Der Altar

Der Innenraum unserer Kirche ist nicht übergroß. Er hat „menschliche“ Maße, so dass die Gemeinde sich darin nicht verliert und nicht bloß eine Ansammlung von vielen einzelnen wird, sondern sich als eine zusammengehörende Gemeinschaft und große Familie erkennen kann. Dem dient vor allem die Stellung des Altars. Er ist der beherrschende Mittelpunkt. Er hebt sich heraus aus dem großen einheitlichen Raum, und der ganze Raum ist auf ihn bezogen. Um ihn – von drei Seiten –versammeln wir uns zum Gottesdienst als die Geladenen Gottes um den heiligen Tisch des göttlichen Mahles. Er ist das Herz unserer Gemeinde, von wo der Blutkreislauf in alle Glieder geht. Über ihm öffnet sich stets der Himmel, und das Leben, und die Liebe Gottes lässt sich unter uns nieder. So werden wir ihn wegen seiner Würde in besonderer Weise ehren. Denn er ist uns das ständige Zeichen des heiligsten Geschehens.

Ernst Tewes:
Briefe an die Gemeinde aus St. Laurentius München
München, 1966
Der Tempel sind wir

Mit der Kirchenweihe beginnt für unsere Gemeinde ein neuer und entscheidender Abschnitt. Sie übergibt unseren Händen ein Heiligtum, eine wichtige Zelle des Lebens Gottes hier in unserem Teil der Stadt, für uns und vielleicht für viele Generationen nach uns. Vorerst aber ist sie nicht sehr viel mehr als eine äußere Hülle, eine angebotene Möglichkeit, die wir in der kommenden Zeit mit dem vielfältigen Leben einer guten Gemeinde zu erfüllen haben. Das erst gibt der neuen Kirche ihre eigentliche Schönheit und ihren unvergänglichen Glanz, auf den sie wartet. Denn wichtiger als die Kirche aus den gemauerten Steinen ist der Tempel aus lebendigen Steinen, zu dem uns Gott mitten in der Welt zusammengefügt und geheiligt hat. Dass etwas davon in unserer Gemeinde sichtbar werde und dass, dadurch gestärkt, jeder seine Aufgabe in der Welt recht erfüllen könne, dazu soll das Haus der Kirche uns Hilfe sein.
„Wißt ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer aber den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.“ (Paulus an seine Gemeinde in Korinth)


Ernst Tewes:
Briefe an die Gemeinde aus St. Laurentius München
München, 1966
Wenn das Konzil überhaupt bis an den einzelnen und an die Gemeinden herangekommen ist, dann ist es hier im Gottesdienst geschehen. Hier kam es in die unmittelbare Erfahrung der Gemeinden, im Guten wie im weniger Guten, in der gemeinten oder in missverständlicher Weise, bis zur Ablehnung.
Das bezieht sich fast auf die ganze Breite der Neuordnung, bis hin zu der Tatsache, dass nun jede Muttersprache auch liturgische Sprache geworden ist.


Gerhard Gruber, Fritz Bauer:
Kirche ohne Vorzimmer
Begegnungen mit dem Münchner Regionalbischof Ernst Tewes
Ernst Tewes: Das zweite Vatikanische Konzil – Zwanzig Jahre danach
Planegg, 1986

Der Gottesdienst heute muss im Kontrast stehen zur Welt der Leistung, des Lärmes, des Lauten, des falschen Pathos, der Hetze und Unruhe. Er muss menschlich einladend sein wie ein Tor, durch das man schreitet, um Gottes ansichtig und davon bewegt zu werden. Unter der jungen Generation wird Ruhe, Stille, meditatives Verhalten neu entdeckt. Das muss eingehen in unsere Gottesdienste.

Gerhard Gruber, Fritz Bauer:
Kirche ohne Vorzimmer
Begegnungen mit dem Münchner Regionalbischof Ernst Tewes
Ernst Tewes: Das zweite Vatikanische Konzil – Zwanzig Jahre danach
Planegg, 1986
Ernst Tewes auf dem Kirchentag

Bücherliste

(Einige der folgenden Bücher können in unserer Bücherei ausgeliehen werden)

Gerhard Gruber, Fritz Bauer (Hrsg.)
Kirche ohne Vorzimmer.
Begegnungen mit dem Münchner Regionalbischof Ernst Tewes.
Planegg, 1986

Ernst Tewes
Seelsorger bei den Soldaten
München 1995

Ernst Tewes
Einer ist euer Meister: Christus
Predigten und geistliche Reden
München 1993

Ernst Tewes
Ansprachen, Vorträge und Artikel von und über Romano Guardini, 1997

Ernst Tewes (Hrsg.)
Zum Gedenken an Julius Kardinal Döpfner, gest. am 24.7.1976
1993

Ernst Tewes
Briefe an die Gemeinde aus St. Laurentius
München 1966

Ernst Tewes
Liturgie und Kirchenbau
1966

Ernst Tewes
Die Feier der Heiligen Messe zur Erstkommunion
1966

Ernst Tewes
Pfarrgemeinde St. Laurentius, 1954 – 1964
1966

Ernst Tewes
Schwerpunkt der pastoralen Erneuerung
München 1969

Gerhard Gruber, Fritz Bauer
Kirche ohne Vorzimmer
Begegnungen mit dem Münchner Regionalbischof Ernst Tewes
Planegg 1986

Albert Keller (Hrsg.)
Ernst Tewes (Vorwort)
Fragen an den Glauben. Ein Sonntagsforum
Frankfurt am Main 1979

Heinz Fleckenstein, Gerhard Gruber. Georg Schwaiger und Ernst Tewes
Ortskirche – Weltkirche. Festgabe für Kardinal Döpfner
Würzburg 1973

Ernst Tewes (Hrsg.)
Weggefährte in bedrängter Zeit. Briefe an Priester
München 1986

Richard Egenter, Otto Pitner und Hubert Hofbauer (Hrsg.)
Statio Orbis.
Eucharistischer Weltkongress 1960 in München, 2 Bände
München 1961