St. Laurentius, München

Misereor 2014 - „Mut ist, zu geben, wenn alle nehmen“

Zum Nachlesen:
Statio zum Beginn des Gottesdienstes am Misereor - Sonntag.
Was uns dieses Jahr Misereor als Leitmotiv für die Fastenaktion auf den Weg gibt, erschließt sich nicht auf den ersten Blick, kann sogar irreführend sein: zu geben, wenn andere nehmen, heißt das: zu geben, obwohl sich andere, Unbefugte vielleicht, daran bedienen? Das wäre nicht mutig, sondern dumm.
Natürlich ist etwas anderes gemeint: die Gesellschaft, in der wir leben, wird nicht ohne Grund Konsumgesellschaft genannt, und die Nehmenden sind wir. Was der Markt an Neuem  anbietet, daran möchten wir teilhaben, wenn auch nicht gleich bei der ersten Werbekampagne, aber vielleicht wenn wir bei Freunden und Bekannten sehen, um wieviel schneller, besser, effektiver die neue Generation eines Produkts arbeitet, der neue Sportartikel funktioniert, um wieviel attraktiver die neue Mode sich präsentiert. Mutig ist, sich einem Trend zu verweigern, dem Sog zu widersetzen und - nicht leicht - über den Dingen zu stehen. Mit dieser Situation haben wir Erfahrung, auch im Scheitern an ihr.
*Wir wissen heute, wenn jeder Weltbürger soviel für sich beanspruchen würde wie wir in der westlichen Zivilisation, müssten wir das zweieinhalbfache unseres Planeten, also noch zweieinhalb Mal unseren Himmelskörper als Ressource zur Verfügung haben. Das haben wir nicht. Also müssen wir uns begrenzen, das Vorhandene den Mitbewohnern zugänglich machen. Denn, wenn wir es ernst nehmen, sollte die Balance zwischen mir und dem Nächsten stimmen. Im Dienst am Nächsten wird Gott erfahrbar. Der Mensch sein Bote. Dennoch soll ich nicht bei den Werken stehen bleiben, sondern einen Schritt weiter gehen. Wohin? In welche Richtung? „Ich soll, sagt Meister Eckehart, der mittelalterliche Mystiker, ein aufgeklärter Gelehrter, ich soll, sagt er, zuerst mich selbst zurücknehmen.
Dabei kommt etwas anderes ins Spiel: In dem Maß, in dem wir von unserem Ich abrücken, kommt uns anderes zugute. Meister Eckehart formuliert es so * “So weit du ausgehst aus allen Dingen, so weit ......   geht Gott ein“. Mit anderen Worten: Wer loslässt, hat die Hände frei - für anderes. Nicht nur die Hände, auch Kopf und Herz.
Loslassen können, das wär`s. Diese Weisheitserfahrung spiegelt sich auch in anderen Religionen. Wir spüren, wie weit wir in unserem Lebensraum davon entfernt sind. Darum: Mut ist, zu geben, wenn andere nehmen, nicht nur eine Gabe, auch sich selbst.
Gottesdienstgestaltung: Arbeitskreis "Eine Welt"

Text: Eva Maria Kohler

Quellen:
*Meister Eckhart „Deutsche Predigten und Traktate“ Diogenes Taschenbuch 1979
**Misereor Liturgische Bausteine 2014