(3.1) Was ist Liturgie?
- „Christsein ist gleichbedeutend mit Sich-Versammeln in der Gemeinschaft der Mitglaubenden vor Gott. Deshalb ist der Gottesdienst Quelle und Mitte des gesamten christlichen Lebens.“ (Klemens Richter, vgl. Lumen Gentium 11, vgl. 2.1)
- „Liturgie ist Aufsammlung, Deutung und Darstellung erfahrener Geschichte.“ (Hermann Seifermann). Das geschieht als „Gemeinde am Ort“ (hebr.: eda) – in der „Versammlung zum Gedächtnis“ (hebr.: kahal) an Gottes Heilstaten.
- Liturgie ist „Feier des Glaubens als Feier der Gemeinschaft“, ist „erfahrbare Communio“, das „Erlebnis der Glaubensgemeinschaft“. (Klemens Richter)
Liturgie ist „die Feier des Glaubens, die Versammlung der Gemeinde, vor allem in der Feier des Herrenmahles, aber auch alle anderen gottesdienstlichen Versammlungen, in denen die Gemeinde in Lob und Dank, aber auch in der Bitte vor Gott steht“ (Klemens Richter, vgl. 1.1) – gemäß Jesu Wort: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. (Mt 18,20)
(3.2) Oratorianisches Verständnis des Gottesdienstes- „Gottesdienst meint zunächst, dass Gott der Gemeinde dient. Sie hört auf sein Wort durch die Lesungen der Schrift, antwortet Gott darauf durch das Bekenntnis ihres Glaubens, aber auch durch die Bitte in den Fürbitten wie im eucharistischen Hochgebet, dass der Geist Gottes bei ihr bleibt und dass Gott das Heil allen Menschen zuwenden möge.“ (Klemens Richter)
- „Im Gottesdienst geht es um die Begegnung mit dem auferstanden geglaubten Christus, wobei die Gegenwart des Herrn inmitten seiner Gemeinde gedacht wird, der zunächst zugegen ist in der sich zur Liturgie versammelnden Gemeinde selbst, sodann in ihrem Vorsteher, im Wort der Schriftverkündigung und unter den Gestalten von Brot und Wein im eucharistischen Mahl.“ (Klemens Richter, vgl. Sacrosanctum Concilium 7)
(3.3) Aufgabe der Gemeinde im Gottesdienst
Die Liturgie, die in St. Laurentius gefeiert wird, hat ihre historischen Wurzeln in der katholischen Jugendbewegung (‚Quickborn‘ / Burg Rothenfels) und der liturgischen Bewegung. Bei der Feier des Gottesdienstes ging es den Oratorianern um die „aktive Teilnahme“ der um den Altar versammelten Gemeinde, die als ganze Trägerin des Gottesdienstes ist. Das II. Vaticanum griff diese Neuerung in der am 4.12.1963 verabschiedeten Liturgiekonstitution „Sacrosanctum Concilium“ auf:
„Die volle und tätige Teilnahme (plena et actuosa participatio) des ganzen Volkes (Gottes) ist bei der Erneuerung der Liturgie aufs stärkste zu beachten.“ (Sacrosanctum Concilium 14)
Aus diesem Grund wird die Messe bei den Oratorianern in deutscher Sprache gefeiert. Die Messgesänge wurden ins Deutsche übertragen und entsprechend dem gregorianischen Choral von Heinrich Kahlefeld neu vertont. Die gottesdienstlichen Gesänge in deutscher Sprache, die für St. Laurentius geschaffen wurden, sind einstimmige Wechselgesänge zwischen Vorsänger, Schola und Gemeinde. Sie stellen einen festen Bestandteil des Gottesdienstes dar und geben ihm ein unverwechselbares Gepräge. (Ausstellung 2004, vgl. 5.2.2)
(3.4) Forderungen an den Gottesdienst
Ernst Tewes fordert vom Gottesdienst Einfachheit und Verständlichkeit und die Erfahrung des Ereignischarakters: „Die Gemeinde muss erfahren können, dass sie sich um ihren Herrn versammelt, der ihre Mitte und ihr Haupt ist.“ (vgl. 2.1; 5.2.1)