St. Laurentius, München

Aufgaben der Münchener Oratorianer

Heinrich Kahlefeld, einer der Münchner Oratorianer, der bereits ab 1928 Mitarbeiter Romano Guardinis (1885 - 1969) auf Burg Rothenfels war, übernahm 1948 von diesem die Burgleitung, und widmete sich dieser Aufgabe bis zum Jahr 1959. Da es der Katholischen Jugendbewegung auf Burg Rothenfels und den Oratorianern um die "aktive Teilnahme" der Gemeinde am Vollzug der Liturgie in Gebet und Gesang ging, bestand die Notwendigkeit, die lateinischen Texte der Tagzeiten ins Deutsche zu übertragen. Heinrich Kahlefeld schuf eine deutsche Übersetzung der Psalmen, die für die Komplet, wie auch für die Vesper benötigt wurden. Mit den Texten übernahm er auch die Singweise der gregorianischen Psalmodie.

Ziel dieser "jungen Kirche" war es auch, ihren Hauptgottesdienst als gesungenes Hochamt zu feiern. Daher galt es nun, die Texte der Eucharistiefeier nicht nur ins Deutsche zu übertragen, sondern auch nach dem Vorbild der Gregorianik zu vertonen. Die gottesdienstlichen Gesänge in deutscher Sprache, die für St. Laurentius geschaffen wurden, sind einstimmige Wechselgesänge zwischen Vorsänger, Schola und Gemeinde. Seit Gründung der Pfarrei stellen sie einen festen Bestandteil der Gottesdienste dar. Die Pflege dieser Gesänge gibt dem Gottesdienst in St. Laurentius sein unverwechselbares Gepräge.

Nach der Gründung des Instituts für Katechetik und Homiletik (IKH) in München im Jahre 1964 wurde Heinrich Kahlefeld dessen erster Direktor. Dieses Institut wurde von der Deutschen Bischofskonferenz gegründet, um die zukünftigen Seelsorger an eine zeitgemäße Verkündigung der christlichen Glaubensbotschaft heranzuführen. Dort dozierten auch die Mitbrüder Klemens Tilmann, Franz Schreibmayr und Hermann Seifermann. Von 1979 bis 1990 war Hermann Seifermann Professor für das Lehrfach "Exegese des Alten Testamentes und Didaktik des Bibelunterrichtes" an der kath. Stiftungsfachhochschule in Eichstätt.

Die zeitgemäße Glaubensverkündigung lag den Gründungsmitgliedern sehr am Herzen, wovon eine umfangreiche exegetische und katechetische Arbeit zeugt.
Die heutigen Mitbrüder des Münchener Oratoriums Hermann Schneider (*1936), eingetreten 1959, Arnold Wilmsen (*1943), eingetreten 1968 und Raphael Steinke (*1964), eingetreten 1999, kümmern sich gemeinsam um die Seelsorge der Pfarrgemeinde St. Laurentius. Die Feier der Liturgie (Eucharistiefeier und Tagzeiten) ist in München den Leipziger Anfängen nahe geblieben. Bereits 1955 wurde jeden Sonntag eine eigene Kindermesse in der Philipp-Neri-Kapelle gefeiert. Die Kinder- und Jugendseelsorge ist bis heute ein Schwerpunkt in der Pastoral. 1970 wurde der pfarrliche Kindergarten erbaut in enger Anbindung an das bauliche und geistliche Konzept der Pfarrei.

Im Jahr 2004 wurde in einer Ausstellung der 50jährigen Geschichte der Pfarrei St. Laurentius und der Gründung des Münchner Oratoriums mit den gemeinsamen Anfängen in München und Leipzig gedacht - dankbar für das Erbe, das das Oratorium bis heute trägt.

Ein Wunsch Bischof Sieblers anlässlich der Visitation 2005:
"Bleiben Sie dem Erbe ihrer Vorgänger in St. Laurentius treu! Gleichzeitig wünsche ich Ihnen einen Blick für die Zeichen der Zeit und genügend Kraft, dass Sie sich den Herausforderungen stellen können!"