St. Laurentius, München

60 Jahre Kirchenbau St. Laurentius

Baustellenmesse








Vor 60 Jahren – am 27. November 1955, dem ersten Adventssonntag, - wurde die Kirche von St. Laurentius geweiht.
Erzbischof Kardinal Wendel, der dem Oratorium eng verbunden war, konsekrierte bei kaltem, sonnigen Wetter die Kirche.
Sie war nach einer intensiven, eineinhalbjährigen Planungsphase innerhalb von nur acht Monaten von April bis November 1955 errichtet worden.
Der Bau steht in engem Kontext mit der Gründung der Pfarrei, die 1953/54 erfolgt war.
Unter Leitung von Heinrich Kahlefeld (1903-1980) wurde im Juni 1954 das Münchner Oratorium des Heiligen Phillip Neri gegründet.
Erzbischof Kardinal Wendel übertrug den Oratorianern die Seelsorge im neuen Bezirk St. Laurentius, der von der Pfarrei Herz Jesu abgetrennt wurde.

Heinrich Kahlefeld und sein Mitbruder Ernst Tewes planten zusammen mit ihren Mitbrüdern seit 1953 den Bau der Kirche. Pfarrer Tewes schrieb im Advent 1954 an die Gemeinde: „Immer wieder wurde nach unserer neuen Kirche gefragt. In der Frage schwangen sowohl gespannte Erwartung als auch leise Besorgnis mit. Letztere vor allem, wenn auf diese oder jene in jüngster Zeit gebaute moderne Kirche hingewiesen wurde. (…) Wie wird die neue Kirche aussehen? Sie wird in ihren Formen schlicht sein und nach außen hin nicht besonders auffallen. Sie wird sich in das schon mit Bäumen bepflanzte Gelände gut einfügen. Ihre eigentliche Schönheit aber wird im Inneren liegen. Der Altar, der Mittelpunkt der ganzen Gemeinde, wird eine beherrschende Stellung haben.” (Tewes, Briefe, S. 13). Die Gemeinde sollte also in einem Halb- oder Dreiviertelkreis um den leicht erhöhten Altar versammelt sein, der Priester seinen Platz in der Apsis finden. Diese Kerngedanken übernahmen die Architekten Emil Steffann und Siegfried Östreicher, die hier – ein Jahrzehnt vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil – erstmals baulich umgesetzt wurden.

Baubesprechung
Rohbau 1
Das Bauvorhaben fand die Unterstützung des Kardinals und des Domkapitels. Für den Kirchenbau wurden 600.000 DM und weitere 120.000 DM für die angrenzenden Gebäude bereit gestellt. Erstmals in der Geschichte der Diözese oblag die Bauleitung den beiden Architekten und nicht dem Erzbischöflichen Bauamt. Den Inhabern der zahlreichen Kleingärten, die sich auf dem Gelände befanden, wurde gekündigt. Ihre Proteste, die sich auch in der Presse niederschlugen, blieben erfolglos. Bereits Ende Mai 1954 wurden die Gärten zugeschüttet.

Nachdem die Pläne am 19. Februar 1955 endgültig fertig gestellt waren, wurde am 18. März die Firma Holzmann mit der Durchführung des Baus betraut. Bereits eine Woche später fuhr der erste Bagger auf, am Tag darauf wurde mit dem Erdaushub begonnen. Anfang April begann man mit der Errichtung der Fundamente, am 6. April wurde der große Kran aufgerichtet.






An der Grundsteinlegung, die der Generalvikar Dr. Fuchs am 26. Juni vornahm, nahmen mehr als 600 Menschen teil, darunter Vertreter der Nachbarpfarreien
Herz-Jesu und St. Theresia.
Der Grundstein – so Ernst Tewes in seinem vierten Brief an die Gemeinde im Juni 1955 – „ist vielmehr ein besonders ausgesuchter und großer Stein, der in die Mauer eingelassen wird.
Er ist der „Erstling” der Würde nach und vertritt und verkörpert das ganze Mauerwerk. Wenn er gesegnet wird, wird das ganze Mauerwerk mit ihm gesegnet. (…)
In den Grundstein wird eine kupferne Kapsel eingeschlossen. Sie enthält die Urkunde über den Akt der Grundsteinlegung. Außerdem die Pläne der Kirche, einige Münzen, Zeitungen, Gebetbuch und Katechismus, Dinge, die wir gebrauchen und Zeichen des Lebens der Gegenwart sind.” (Tewes, Briefe, S. 18-19)

In weitaus kleinerem Rahmen fand mit etwa 80 Personen am 7. Juli das Richtfest statt.
Grundstein Dr. Fuchs-2

Nach einer Bauzeit von nur acht Monaten war die Kirche im November 1955 fertiggestellt. Am 27. November – dem ersten Adventssonntag – wurde sie von Erzbischof Kardinal Wendel geweiht. Zwei Tage zuvor predigte der Theologe und Religionsphilosoph Romano Guardini, der eng mit dem Oratorium verbunden war, über das Thema „Was ist eine Kirche?” und bereitete so die Gemeinde auf das bevorstehende Fest vor. Ernst Tewes, der erste Pfarrer, verstand die Kirche zunächst „als nicht sehr viel mehr als eine äußere Hülle, eine angebotene Möglichkeit, die wir in der kommenden Zeit mit dem vielfältigen Leben einer guten Gemeinde zu erfüllen haben. Das erst gibt der neuen Kirche ihre eigentliche Schönheit und ihren unvergänglichen Glanz, auf den sie wartet. Denn wichtiger als die Kirche aus den gemauerten Steinen ist der Tempel aus lebendigen Steinen, zu dem uns Gott mitten in der Welt zusammengefügt und geheiligt hat. Daß etwas davon in unserer Gemeinde sichtbar werde und daß dadurch gestärkt jeder seine Aufgabe in der Welt erfüllen könne, dazu soll das Haus der Kirche uns Hilfe sein.” (Ernst Tewes, Briefe, S. 26).

Cornelia Jahn

Literatur:
Freimut Scholz: St. Laurentius in München. Architektur – Ausstattung – Bedeutung. München 2004.
Ernst Tewes: Briefe an die Gemeinde aus St. Laurentius München, München 1966.
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