Am 21. Juli fand in der Eichenauer Schutzengelkirche ein musikalisches Großprojekt statt. Unter Leitung von Lorenz Höß sang der auf über 60 Sängerinnen und Sänger aufgestockte Chor begleitet vom Originalklang-Ensemble La Banda auf historischen Instrumenten gemeinsam mit renommierten Solistinnen und Solisten, Anna-Lena Elbert (Sopran), Veronika Sammer (Alt), Eric Price (Tenor), Andreas Burkhart und Benedikt Eder (beide Bass) das monumentale Oratorium „Paulus“ von Felix Mendelssohn Bartholdy.
Dessen Oratorienerstling wurde 1836 mit über 500 Mitwirkenden uraufgeführt, aber auch die Eichenauer Aufführung begeisterte mit über 100 Musikerinnen und Musiker. Die Aufführung stellte die erste Aufführung eines groß Besetzten Oratoriums des 19. Jahrhunderts in Eichenau dar; somit kann ihr durch aus Leutchtturmcharakter bescheinigt werden. „Paulus“, diese „geistliche Oper“ schildert in Chören, Rezitativen und Arien das Leben und Wirken des neutestamentarischen Apostels.
Nach einer opulenten Ouvertüre und den Eingangschören setzt die Handlung mit der Steinigung des ersten christlichen Märtyrers, des heiligen Stephanus und den Werdegang des Protagonisten vom Saulus zum Paulus ein. Im zweiten Teil des über 140 minütigen Werkes steht die Missionstätigkeit des Paulus und des Barnabas und am Schluss der Ausblick auf die sich androhende Ermordung des Apostel Paulus in Jerusalem. Mendelssohn beendet das Werk mit einem jubelnden Chor, der die Bedeutung der Wirkungsgeschichte der Apostel auf jeden Christen auch in der heutigen Zeit überträgt. In den 45 Musiknummern des Oratoriums schöpfen Komponist und Ausführende aus der vollen Klangpalette des frühen bis mittleren 19. Jahrhunderts.
Das mit 38 Musikerinnen und Musikern besetzte Orchester bereitete einfühlsam den Boden für die Arien und die großen Chöre, die vom kaum hörbaren Piano bis zum donnernden Fortissimo die klanglichen Möglichkeiten und die Akustik der Schutzengelkirche in allen Facetten beleuchteten. Bei der gegebenen notwendigen Textverständlichkeit der Solisten und des Chores geriet die Aufführung zu einem durchweg gelungenen, musikalisch wie dramatisch stringenten Erlebnis, das die gut gefüllte Kirche am Ende des Konzerts zu über 5-minütigen frenetischen, stehenden Ovationen veranlasste. Das Projekt und die gesamte künstlerische Leistung wurde als Abschlussarbeit von Lorenz Höß im Dirigier-Studium von der anwesenden Prüfungskommission der Hochschule für Musik und Theater München mit der Bestnote 1,0 bewertet.
Hier einige Eindrücke des Oratoriums und Ausschnitte aus den Stücken "Mache dich auf, werde licht" und "Nicht aber ihm allein, sondern allen".
Am 24. Juni bot sich den Besuchern der Schutzengelkirche ein besonderes Hörerlebnis. Gregorianische Choräle, dargeboten von der Schola Cantorum, der Choralschola der Hochschule für Musik und Theater München unter der Leitung von Professor Stephan Zippe erlebten eine Symbiose mit Musik für Saxophonquartett.
Dass diese beiden Musiken, deren jeweilige Blütezeit immerhin ein ganzes Jahrtausend auseinanderliegen, gut zusammenpassen, wurde dem Publikum in dem gut 75-minütigem Programm mehr als deutlich. Die 8-köpfige Männerschola präsentierte gewissermaßen tagesaktuell die Gesänge des Hochfestes der Geburt des heiligen Johannes des Täufers, und versetzte mit den einstimmigen Gesängen, die bis ins frühe Mittelalter zurück datieren, den Hörer in eine mystisch-kontemplative Stimmung.
Einen virtuosen Kontrapunkt setzte das Saxophonquartett, bestehend aus David Jäger, Laetitia Schwende, Sebastian Oberbauer und Andreas Hüüs mit Musik des 20. Jahrhunderts von Pedro Iturralde, Michael Nymann und Astor Piazzolla. Das begeisterte Publikum verlieh seiner Begeisterung mit stehenden Ovationen Ausdruck.
Ein besonderer Ohrenschmaus wurde am 2. Weihnachtsfeiertag den Besuchern des Konzerts Romantische Weihnacht in der Schutzengelkirche geboten.
Geboten wurden unter anderem die Suite für Orgel und Streicher von Ottorino Respighi sowie das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns.
Am Ende des Konzerts wurden die Solisten Anna-Lena Elbert (Sopran), Katherine Sandmeier (Mezzosopran), Veronika Sammer (Alt), Eric Price (Tenor), Niklas Mallmann (Bariton), Anna Augenstein (Harfe), Christopher Steinbügl (Orgel) sowie Chor und Orchester der Schutzengel-Kirche Eichenau unter der Leitung von Lorenz Höß mit anhaltendem Applaus gefeiert.