Impulstexte

Begleiter für die Kar- und Ostertage in München
14. Februar bis 8. April 2018
KID18010-170118-3856

Palmesel

„Lange Zeit haben wir uns einen Plastikesel aus einer Requisitenkammer ausgeliehen“, erinnert sich Christian Thalhammer, seit 32 Jahren Mesner der Pfarrei St. Peter. „Jedes Jahr habe ich ihn selbst mit dem Auto abgeholt“, schmunzelt er, „eine fröhliche Fahrt, schließlich benehmen wir Menschen uns ja auch manchmal wie ein Esel.“ Auf Initiative des Pfarrkindergartens und des damaligen Pfarrers, Prälat Herbert Jung, ließ die Pfarrei dann aber doch ein eigenes Grautier schnitzen. Ein Wagen wurde dafür entworfen. „Ein wenig überdimensioniert“, findet der gebürtige Münchner, „mit Auflaufbremsen, vier Mann sind nötig, um ihn von der Galerie zu holen, wo wir ihn und den Esel lagern.“
 
Am Palmsonntag 2012 hatte das Langohr seinen ersten Auftritt: „Das war eine große Freude, vor allem bei den Kindern, die den Esel beim Familiengottesdienst um die Kirche ziehen dürfen“, freut sich Thalhammer. „Ein Begeisterungssturm, wie wohl damals in Jerusalem, als Jesus auf dem Esel in die Stadt einzog“, vergleicht er das Geschehen mit der biblischen Erzählung, an die der Palmsonntagsgottesdienst mit seiner Prozession erinnert.
 
„Barocke Traditionen wie die, einen geschnitzten Palmesel bei der Prozession mitzuführen, zeichnen St. Peter aus, wir pflegen sie mit viel Herzblut und Aufwand“, erläutert der Mesner, der das Amt von seinem Vater übernommen hat. Vieles von diesem Brauchtum findet sich in der Karwoche, wo beispielsweise auch der Ölberg oder das Heilige Grab mit dem Scheinsarg aufgebaut werden. „Die Theatralik der Karwoche, die lebendige Abfolge der Liturgie hilft den Menschen, den letzten Weg Jesu bis zu seiner Auferstehung nachzuempfinden, ihn sich sozusagen einzuverleiben“, ist sich Thalhammer sicher. „Und wenn ich die Palmkätzchen rieche, die Kinder sehe, wie sie den Esel anstrahlen, dann weiß ich, dass es jetzt wieder so weit ist.“


Christian Thalhammer (58)
Mesner der Pfarrei St. Peter