Begleiter für die Kar- und Ostertage in München
14. Februar bis 8. April 2018
Ein Ausflug ins Schnalstal ist „schuld“ daran, dass die Karfreitagsratsche der Pfarrei St. Anton vor zehn Jahren aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt wurde. Sie ruft die Gläubigen nun wieder zum Gebet, wenn die Kirchenglocken traditionell nach dem Gloria der Messe vom Letzten Abendmahl bis zum Gloria in der Osternacht verstummen und gemäß einer Legende nach Rom fliegen. „Zu dieser Zeit war ich im Urlaub in Südtirol, und die mit Starkstrom betriebene dortige Ratsche erfüllte das ganze Tal“, schwärmt Andreas Wittmann, damals Oberministrant seiner Heimatpfarrei St. Anton, wo er heute als Mesner arbeitet.
Also dachte sich der gelernte Orgel- und Harmoniumbauer kurzerhand: „Des mach ma auch!“, und fragte den Pfarrer, ob er eine Ratsche bauen dürfe. Dabei stellte sich heraus, dass es bereits eine solche gab. Auf dem Dachboden wurde Wittmann fündig und richtete das Instrument wieder her. Zwar ist es nicht ganz so groß wie sein Vorbild in Südtirol, „aber man hört es bis zum Goetheplatz“, freut er sich schelmisch. Bei den Ministranten sei der Dienst an der Ratsche „heiß begehrt“, schon Tage vorher üben sie dafür. „Denn es dauert, bis man den richtigen Rhythmus zum Drehen der Kurbel gefunden hat“, erklärt Wittmann, „dann hat es fast etwas Meditatives“. Aber natürlich sei es für die Minis vor allem eine „Riesengaudi“.
Das steht für Wittmann auch nicht im Widerspruch zum Karfreitag. „Der Umgang mit der Ratsche nimmt den Ministranten die Aufregung vor dem wichtigen Gottesdienst, lässt sie ruhig werden,“ betont er. „Und für mich gehört der Tod auch immer zum Leben dazu, Leere und Fülle, Freud und Leid“. So verstehe er die Kar- und Ostertage als „einen großen Gottesdienst ohne Anfang und Ende“. Gerade der Krach der Ratsche mache darauf aufmerksam, „dass hier etwas ganz Besonderes, etwas nicht Alltägliches gefeiert wird“.
Andreas Wittmann (35)
Ehemaliger Oberministrant der Pfarrei St. Anton