In der Familie erleben Eltern und Kinder glückliche Zeiten, aber auch Phasen, in denen sie sich ohnmächtig fühlen. „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ – dieses Wechselbad der Gefühle ist eine zutiefst menschliche Erfahrung. Zugleich ist es auch eine religiöse, österliche Erfahrung. Ohnmacht und Zuversicht, Tod und Leben liegen ganz nah beieinander. Daran erinnern Karfreitag und Ostern!
Du schaffst das! Gemeinsam Höhen und Tiefen meistern - auch das ist Familie. Foto: Pixabay
Zum Leben gehören schmerzliche, leidvolle und auch scheinbar „sinnlose“ Erlebnisse: ein Vorhaben ist gescheitert, eine lebensbedrohliche Krankheit wird festgestellt, eine Beziehung zerbricht. Solche Momente können uns im Kern unserer Existenz treffen.
Die biblischen Ostererzählungen berichten ähnliches: Jesus war gestorben und für seine Jünger war der Lebenssinn dahin! Aus und vorbei?! So sind zwei Jünger unterwegs nach Emmaus (vgl. Lk 24,13–35):
Sie kehren Jerusalem hoffnungslos enttäuscht den Rücken. Mit dem Tod Jesu ist dessen Mission augenscheinlich gescheitert und damit auch ihre Lebensperspektive.
Sie diskutieren ihre Krise, klagen ihr Leid und ein Mitreisender nimmt mitfühlend Anteil. Sie erzählen bereitwillig; er hört ihnen geduldig zu und versucht, größere Zusammenhänge aufzuzeigen. Sie kehren gemeinsam ein und teilen die Mahlzeit miteinander. Beim Tischgebet und dem Teilen des Brotes „gehen ihnen die Augen auf“ und sie erkennen Jesus wieder. Sofort reisen sie nach Jerusalem zurück und berichten von ihrer umwerfenden Erfahrung.
„Da gingen ihnen die Augen auf.“ – Es braucht Zeit, um nach niederschmetternden Erlebnissen wieder aufleben zu können. Es braucht anteilnehmendes Gespräch mit geduldigem Zuhören und behutsamem Nachfragen, um aus der Erstarrung zu erwachen und allmählich einen neuen Blick auf das Leben zu bekommen.
Auch schmerzvolle Erfahrungen gehören zum Leben. Wenn wir sie mit Abstand betrachten, können wir sie verarbeiten und neuen Mut fassen. Foto: Pixabay
Immer wieder haben Menschen solche Oster-Erfahrungen gemacht. Aus einer gewissen Distanz zum Geschehen und mit der Gelegenheit, das Erlebte zu verarbeiten, kann neuer Lebensmut wachsen und wir können unser Leben und seine Möglichkeiten mit neuen Augen sehen – mit „Oster-Augen“ sozusagen.
Diese existenzielle Erfahrung, die Klein und Groß auch in der Familie immer wieder machen, feiern wir an Ostern: Unser Leben miteinander kann phasenweise auch misslingen, es gibt Brüche und Krisen. Das lässt sich nicht vermeiden. Aber es gibt einen Gott, der uns in der Krise begleitet, der mitgeht selbst bis in den Tod. Denn er ist stärker als der Tod – diese Botschaft hat Jesus Christus mit seinem Sterben und Auferstehen seinen Jüngern damals und uns heute leibhaftig bezeugt.
Karfreitagswege gehen
Karfreitag – ein stiller, nachdenklicher Feiertag:
- alles etwas ruhiger und langsamer angehen lassen
- keine Kirchenglocken sind zu hören
- kein Gottesdienst am Vormittag (sondern erst am Nachmittag um 15.00 Uhr!)
- auf manchen Gräbern wird andächtig geschmückt für Ostern
Ein geruhsamer Spaziergang, der vielleicht am Friedhof vorbeiführt:
- verweilen an einem Grab und Gedenken der Verstorbenen
- Fragen der Kinder aushalten und gemeinsam nach Antworten suchen („Wer war das? Wo ist der jetzt? Warum musste sie so früh sterben?“ usw.)
- Zeit lassen dafür und sich erlauben, auch keine Antwort zu haben –
- zumindest für den Moment
Gegenseitige Ermutigungen in der Familie
Die Natur lässt uns Ostern erfahren: Nach den "toten" Winter-Monaten erwacht sie im Frühjahr zu neuem Leben. Foto: Pixabay
- wenn der geplante Ausflug ins Wasser fällt
- wenn einer als Morgenmuffel am Tisch erscheint
- wenn eine Schularbeit ziemlich mies ausgefallen ist
- wenn einer Bammel vor einem schwierigen Schritt hat
Wenn …, dann könnte ich
- nachfragen
- den Arm über die Schulter legen
- ein offenes Ohr leihen
- einen liebevollen Scherz versuchen
- eine hilfreiche Hand anbieten
- mich selber erinnern, wie ich das schon mal geschafft hat
- überlegen, was jetzt zu tun wäre
- sie oder ihn einfach in Ruhe lassen
Komme, was mag
Komme, was mag: Gott ist mächtig!
Wenn unsere Tage verdunkelt sind
und unsere Nächte finsterer
als tausend Mitternächte,
so wollen wir stets daran denken,
dass es in der Welt eine große,
segnende Kraft gibt, die Gott heißt.
Gott kann Wege aus der
Ausweglosigkeit weisen.
Er will das dunkle Gestern
in ein helles Morgen verwandeln –
zuletzt in den leuchtenden Morgen
der Ewigkeit.
Martin Luther King
Die Texte stammen von Robert Benkert, Mitarbeiter des Fachbereichs Partnerschaft - Ehe - Familie - Alleinerziehende. Sie sind entnommen aus der Broschüre
"Karfreitag und Ostern. Ohnmacht und Zuversicht in der Familie", erschienen in der Reihe Hot Spots des Lebens, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung.
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